Geschenke aus Redmond
Als Windows Vista Anfang Dezember endlich – zumindest für Firmenkunden - auf den Mark kam, da kündigte Steve Ballmer an, man werde den Produktstart mit einer noch nie da gewesenen Marketing-Kampagne einleiten, für die ein Budget von mehreren Hundert Millionen US-Dollar bereit stünde.
Wenn Sie sich fragen, was die PR-Agentur von Microsoft damit wohl anstellen wird, dann habe ich hier schon mal eine erste Antwort: Man versucht, die Blogger-Szene zu kaufen.
Microsoft verschenkt Ferraris
Das klingt ein wenig harsch, aber wie sollte man es sonst nennen, wenn ein Unternehmen nagelneue 2000-Dollar-Notebooks mit vorinstalliertem Windows Vista an einige ausgewählte, prominente Blogger schickt? Und zwar ohne, dass die darum gebeten hätten?
Denn genau das hat Microsoft getan. Man hat “Ferrari 5000″- und “Ferrari 1000″-Notebooks von Acer mit vorinstalliertem Windows Vista Ultimate und Office 2007 unaufgefordert an eine Reihe von Computer-Journalisten verschickt, deren Blogs in der Szene einige Beachtung und wohl auch Einfluss haben.
Nun ist es zwar durchaus üblich, dass Unternehmen Samples ihrer Produkte zum Test an Journalisten und Redaktionen schicken, aber hierbei handelt es sich in der Regel um mehr oder wenige langfristige Leihstellungen.
Rezensionsexemplare und Testmuster
Eine Fachzeitschrift, die zum Beispiel einen Vergleichstest aktueller PCs durchführen möchte, legt im Vorfeld die Testkriterien fest und definiert die Produkt-Spezifikationen. Anschließend schreibt man die Hersteller an und bittet um Leihstellungen der entsprechenden Computer. Normalerweise erhält die Redaktion dann die gewünschten Geräte für einige Wochen zum Test, anschließend müssen die Computer zurückgeschickt werden.
Bei Software ist es kaum anders, allerdings kommt es hier häufiger vor, dass die getestete Software beim Tester bzw. in der Redaktion verbleibt – so, wie ein Rezensionsexemplar eines Buches normalerweise ebenfalls nicht zurückgeschickt wird.
Ungewöhnlich ist allerdings, dass ein Software-Unternehmen sein neuestes Produkt zusammen mit einem nicht ganz billigen Notebook einfach so verschenkt.
Bestechung oder PR?
Doch auch wenn der Vorwurf, Microsoft versuche die Blogger-Szene zu kaufen, nahe liegt, so glaube ich nicht, dass er stimmt: Wenn das eine Bestechung sein sollte, dann wäre sie etwas ärmlich. Ein Autor, der so billig zu haben wäre, hätte wohl kaum den Einfluss, dass eine Bestechung sich lohnen würde.
Allerdings könnte man das Geschenk auch unter dem Stichwort “Anfettung” bzw. “Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft” ablegen – jede Korruption beginnt schließlich mit kleinen Gefälligkeiten.
Doch vielleicht ist alles auch ganz anders. Aus Microsofts Perspektive könnte sich das ganze als harmlose, nett gemeinte Geste ausnehmen. Man möchte den wichtigsten Fach-Journalisten halt ein wenig bei ihrer Arbeit helfen, da muss man doch nicht gleich von Bestechung und Korruption reden.
Vielleicht hat man in Redmond auch einfach die Maßstäbe verloren und sieht keinen Unterschied mehr darin, ob man nun eine Demo-CD oder gleich ein komplettes High-End-Notebook verschenkt Für Microsoft sind das so oder so Peanuts aus der Portokasse.
Und schließlich gibt es noch eine weitere Möglichkeit. Microsoft hat den Wirbel, den die Geschenk-Aktion auslösen würde, einkalkuliert: die Empörungswelle in den Blogs ist Teil der Marketingstrategie.
Microsoft hat mit einem Minimum an finanziellen Mitteln ein Maximum an Aufmerksamkeit erzielt. Und Aufmerksamkeit ist die einzige Währung, die im Marketing zählt. Der naheliegende Einwand, über Microsoft werde nun aber nur negativ geredet, sticht nicht. Ein halbwegs geübter Marketingmensch kann praktisch jedes Gespräch in die gewünschte Richtung bringen – wichtig ist nur, überhaupt im Gespräch zu sein. Und genau das hat Microsoft erreicht.
