Gar net erst ignorieren
Nicht jede Post, die man bekommt, ist erfreulich. Nicht genug damit, dass man jeden Tag unerwünschte Werbung und dubiose Angebote zu allem möglichen Krams und Krempel bekommt, mitunter fallen einem auch schlicht beleidigende, hämische oder pöbelnde, anonyme Mails ins Haus.
In einem Online-Forum bei Xing sorgten solchen miesen Mails jetzt für eine Diskussion darüber, wie man mit dergleichen am besten umgeht. In diesem Fall wurden die Mails über einen amerikanischen Webmailer verschickt – als Empfänger hat man da nicht mehr als die beleidigende Post und eine nichtssagende Absenderadresse. Von wem die Beleidigungen kamen, war natürlich nicht zu erkennen, schließlich geht es den feigen Schreibern solcher Mails ausschließlich darum, jemanden zu verletzen und ganz generell Unheil zu stiften.
Begonnen hat die Diskussion mit der Frage, wie man da wohl den Absender erkennen könnte. Die Antwort darauf fällt sehr ernüchternd aus: überhaupt nicht. Jedenfalls nicht als Privatperson. Zwar hinterlässt jeder Mailversand in den Header-Einträgen seine Spuren, aber zum einen lassen sich hier relativ leicht falsche Fährten legen, zum anderen erfährt man hier im günstigsten Fall nur, über welchen Provider der Absender im Netz war.
Doch wirklich weiter hilft einem das auch nicht. Kein Provider wird einer Privatperson die Kundendaten zur Verfügung stellen. Hier kann man allenfalls eine Beschwerde einreichen und hoffen, dass der Provider den betreffenden Kunden wegen Missbrauchs der Dienstleistung herauswirft.
Gewonnen ist damit allerdings auch nichts, im Gegenteil: so teilt man dem anonymen Schmierfinken unterm Strich nur mit, dass er sein Ziel erreicht hat. Und falls er wirklich von dem einen Provider gekündigt werden sollte (was eher unwahrscheinlich ist), dann geht er halt zu einem anderen. Anbieter kostenloser Maildienste gibt es im Internet nun wirklich übergenug.
Wer es unbedingt darauf anlegt, eine Person hinter einer Mail dingfest zu machen, dem wird nicht viel übrig bleiben, als Anzeige zu erstatten. Das aber ist nur dann erfolgversprechend, wenn es sich nicht nur um zwar ärgerliche, aber nicht wirklich strafbare gehässige Privatpost handelt, sondern um justiziable Vergehen. Andernfalls werden Ihnen weder die Polizei noch die Provider beim Aufspüren des Täters helfen.
Angesichts der erheblichen Mühen mit zweifelhaften Aussichten auf Erfolg scheint eine andere Methode sehr viel pragmatischer und effektiver: „Don’t feed the trolls“.
Dabei handelt es sich um eine seit langem bewährte Maxime zum Umgang mit digitalen Störenfrieden. Sie wird oft mit „Füttern Sie die Trolle nicht“ übersetzt, was aber einfach nur ein Missverständnis ist. Denn gemeint sind nicht die Fabelwesen, die mit Keulen bewaffnet auf unschuldige Spaziergänger lauern, sondern eine bestimmte Art des Schleppfischens („trolling“). Etwas freier und treffender ließe sich „Don’t feed the trolls“ mit „Lasst euch nicht an der Nase herumführen“ übersetzen. Oder um es mit Karl Valentin zu sagen: „Gar net erst ignorieren“.
Bei anonymen Schmähmails heißt das, dass man sich nicht mit dem Mailmist abgeben, sondern ihn ungelesen löschen sollte. Das geht am besten mit einem Filter, der die Mails eines bestimmten Absenders direkt auf dem Server löscht, bevor sie überhaupt von Ihrem Mailprogramm abgerufen werden. So bekommen Sie die Schmähungen erst gar nicht zu Gesicht und der Schmierfink verfehlt sein Ziel.
