Fußball, Fernsehen, Telekom

Dienstag, 1. August 2006, 10.32 Uhr | Giesbert Damaschke

Am Wochenende wollte ich mal fünfe gerade sein lassen und mich für einige Zeit nicht mit Computern & Internet beschäftigen. Also machte ich es mir auf dem Balkon mit einem kühlen Glas Wein bequem und blätterte im “Kicker” Sonderheft zur Bundesliga 2006 / 2007.

Die Prognose des Uli Hoeneß

Doch es half nichts, mein berufliches Interesse holte mich schon nach kurzer Zeit ein. In einem Interview mit Uli Hoeneß ging es um die üblichen Themen und also auch ums liebe Geld, das die TV-Anstalten für die Übertragungsrechte bezahlen. In diesem Zusammenhang machte Hoeneß eine recht erstaunliche Prognose:

Ich bin überzeugt: In drei Jahre gehen die TV-Gelder ziemlich hoch, wenn die Telekom in der Lage ist, für wenig Geld in großem Stil viele Leute zu erreichen.

Mit anderen Worten: Uli Hoeneß ist nicht nur davon überzeugt, dass sich in drei Jahren IPTV – also die von der Telekom forcierte Technik, TV-Signale übers Internet Protokoll auszustrahlen – etabliert haben wird, sondern auch, dass sich damit viele Leute erreichen lassen, die geringe Gebühren zahlen und in Summe doch mehr Geld in die Kassen spülen als die bisherigen Vermarktungsmodelle.

Die Bundesliga-Sender

Aktuell ist die Ligalage ja ein wenig verworren, werben doch gleich drei Anbieter damit, dass man bei ihnen alle Spiele live sehen könne.

  • Da ist der Shooting-Start unter den Pay-TV-Sendern, Arena. Dem war es überraschend gelungen, ausgerechnet Premiere die Bundesligarechte vor der Nase wegzuschnappen. Seither arbeitet man eifrig am Ausbau des eigenen Netzes und versucht, den Kunden das neue Angebot schmackhaft zu machen. Der offizielle Sendestart ist der 8. August, doch bereits heute, am 1. August, will man den Sendebetrieb aufnehmen.
  • “Bundesliga powered by T-Com”: So wirbt die Telekom für die Ausstrahlung aller Bundesligaspiele über ihr nagelneues VDSL-Netz. Denn die obersten Herrscher über die Liga-Rechte waren clever und haben diese Rechte einfach zweimal verkauft: Einmal für die Ausstrahlung im Fernsehen, einmal für die Ausstrahlung via Internet. So kommt es, dass die Telekom, Arena zum Trotz, behaupten kann, bei ihr gäbe es “die Bundesliga exklusiv und attraktiv über VDSL”.
  • Und, natürlich, Premiere. Zwar sah es noch vor ein paar Monaten so aus, als habe der Pay-TV-Veteran auf breiter Front verloren, doch jetzt entpuppt er sich als lachender Dritter, an dem niemand vorbei zukommen scheint. Sowohl Arena als auch die Telekom kooperieren bei ihren Angeboten mit Premiere. So hat man zwar die Schlacht um die exklusiven Ausstrahlungsrechte gegen Arena verloren – aber im Kampf um die TV-Rechte ist man nach wie vor aktiv beteiligt.

Das VDSL-Angebot der Telekom

Kommen wir zurück zur Prognose von Uli Hoeneß – für wenig Geld soll die Telekom in drei Jahren viele Leute mit ihrem VDSL-Angebot erreichen. In drei Jahren kann viel passieren – aber die aktuelle Situation bietet allenfalls Anlass zu gedämpften Optimismus.

Das mit so viel Erwartungen vorbelastete VDSL-Netz ist noch im Aufbau und allzuviel Erfahrung hat man bislang noch nicht sammeln können. Bereits jetzt hat die Markteinführung Verspätung. Eigentlich wollte man damit bereits zur Fußball-WM an den Start gehen, aber das hat nicht geklappt, also fällt der Startschuss nun mit dem Beginn der Bundesliga. Doch selbst dieser verschobene Start, so die Financial Times, ist von technischen Probleme überschattet. Die verwendete Microsoft-Middleware sei störanfällig und kompliziert, weshalb die Telekom zu Beginn auf eine Interimslösung ausweichen müsse.

Anfangs wird VDSL lediglich in zehn Großstädten teilweise verfügbar sein und rund drei Millionen Haushalte erreichen. Bis Anfang 2007 sollen es sechs Millionen sein. Wie viele sich davon dann tatsächlich für VDSL entscheiden, bleibt noch abzuwarten. Ich weiß nicht, was Uli Hoeneß unter viele Leute versteht, doch ich vermute mal: deutlich mehr, als die Telekom mit VDSL derzeit erreicht.

Wie steht es mit für wenig Geld? Da scheint die Telekom bereits jetzt unschlagbar günstig: Rund 10 Euro im Monat muss man für die “Bundesliga powered by T-Com” bezahlen – Arena kassiert da immerhin knapp 15,00 Euro ab.

Doch ganz so billig, wie es den Anschein hat, ist es dann doch nicht. Denn die Bundesliga gibt es nur in Verbindung mit VDSL plus Telefonie. Und das schlägt alles in allem mit rund 80 Euro im Monat zu Buche. In Summe kostet das Bundesliga-Angebot und IPTV via VDSL also rund 90,00 Euro im Monat.

Das ist eine hübsche Stange Geld, für die man allerdings auch sehr viel mehr bekommt als nur die Bundesliga. Nämlich HD-TV, zahlreiche Fernsehsender, superschnelles Internet und Telefonflatrate – alles aus einer Hand.

Das klingt zwar gut, ist aber auch der Haken: Denn wer das Angebot der Telekom nutzen will, der muss ohne wenn & aber komplett wechseln und mit Telefon, Internet und TV zur Telekom ziehen – und sich einer noch nicht im Großeinsatz erprobten Lösung anvertrauen.

Würden Sie das tun?