Flops sehen anders aus
Die Markteinführung von Windows Vista wurde mit allerhand Theaterdonner und Marketinggetös begleitet. Bei Microsoft zeigte man sich demonstrativ stolz und der festen Überzeugung, den Markt im Sturm zu nehmen, die Prognosen der Marktforscher sahen rosig aus und von Vista erwartete sich die ganze PC-Branche einen kräftigen Schub, weil die Anwender zum neuen System auch gleich einen neuen PC kaufen oder ihre vorhandene Hardware zumindest aufrüsten würden.
Daraus wurde erstmal nichts und nach ein paar Monaten machten Meldungen die Runde, dass die ersten Anwender bereits wieder enttäuscht und reuevoll zu Windows XP zurückkehrten. Viele PC-Anbieter sahen sich gezwungen, die eigentlich verbannten XP-Computer wieder ins Programm zu nehmen und die Update-Lust in Unternehmen war auch sehr viel gedämpfter als man erwartet hatte.
Kein Wunder, dass sich der kleine Konkurrent aus Cupertino diese Entwicklung nicht entgehen lässt: In den USA wirbt Apple jetzt für seine Computer und das neue Betriebssystem Leopard mit kleinen Sketchen, in denen man sich über den zähen Verkauf von Vista lustig macht.
Doch jetzt, ein Jahr nach der Markteinführung, nannte Microsoft die ersten harten Verkaufszahlen – und die sehen bei weitem nicht so schlecht aus, wie die Gerüchteküche und die professionellen Glaskugelleser bei Gartner & Co. eine glauben machen wollen.
Insgesamt hat Microsoft im ersten Jahr 88 Millionen Kopien von Vista verkauft und damit doppelt soviel wie von Windows XP in den ersten zwölf Monaten nach Verkaufsstart. Der Microsoft-Geschäftsbereich, bei dem die Vista-Verkäufe zusammenlaufen, setzte im vierten Quartal satte 4,14 Milliarden US-Dollar um und überholte damit knapp die “Business Devision”, die mit dem Flaggschiff Office aufwarten kann.
Natürlich wurde der Löwenanteil dieser 88 Millionen als OEM-Version von Vista zusammen mit neuen PCs ausgeliefert, während die Verkäufe der Einzel- oder Updateversion verständlicherweise eher bescheiden ausfallen. Wer kauft sich schließlich ein neue Betriebssystem, bei dem er ziemlich sicher sein kann, dass es seine alte Hardware vermutlich hoffnungslos überfordern wird?
Und auch für die nächsten Monate sieht die Zukunft rosig aus für Microsoft. Denn mit der Veröffentlichung des ersten Service Packs für Windows Vista in den ersten Monaten 2008 wird die Nachfrage nach Vista weiter steigen. Nur die Firmenkunden werden – wie bei jedem Systemwechsel – eher zögernd umsteigen, weiter abwarten und Erfahrungen sammeln. Flops sehen anders aus.
(Die Apple-Spots sind übrigens trotzdem sehr lustig.)
