Fernsehen unterwegs
Ich hab ja nicht daran geglaubt (und so recht glaube ich immer noch nicht daran): Dass es genügend Leute geben könnte, die auf Ihrem fimschigen Handy-Display Fernsehbilder sehen möchten, damit sich hier ein neuer Markt etablieren könnte. Die Technik schien mir nach ein paar Stichproben viel zu unausgereift, als dass ich mir mehr als eine Handvoll Technikfreaks und Gadget-Sammler als potentielle Käufer solcher Geräte vorstellen konnte.
Aber da habe ich wohl die technischen Möglichkeiten unterschätzt. Denn seit ich beim Fachhändler den neuen iPod von Apple in der Hand hatte und ein wenig mit Sonys portabler Playstation herumgespielt habe, bin ich mir nicht mehr so sicher. Beide Geräte verfügen über einen kleinen, ja, fast winzigen Bildschirm, beide Geräte können Filme abspielen – und bei beiden Geräten funktioniert das sogar.
Dabei bietet die Playstation Portable einen veritablen 16:9-Bildschirm und selbst das 2,5-Zoll-Display des iPod reicht aus, um einen Film in – nun, vielleicht nicht in sehr guter oder guter, aber doch in hinreichender Qualität abzuspielen.
Blickt man nach Amerika, stellt man fest, dass mobiles Fernsehen nicht nur denkbar, sondern fast schon Realität ist. Apples Video-Angebot zum iPod wächst kontinuierlich und dank des neuen Partners NBC stieg im iTunes-Store die Auswahl an TV-Serien für den iPod deutlich an. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit sein, bis auch die anderen Sender den neuen Markt für sich entdecken.
Was auf dem iPod funktioniert, sollte eigentlich auch auf einem Handy funktionieren, wenn auch die UMTS-Handy wohl noch etwas bessere Bildschirme vertragen könnten. Derzeit bietet ein durchschnittliches UMTS-Handy rund 180 x 220 Pixel – der iPod verfügt über ein Display mit 320 x 240 Bildpunkten, die Playstation Portable trumpft sogar mit 480 × 272 Pixeln auf.
Doch schon heute gibt es vereinzelt Handys mit größeren Bildschirmen und die Hersteller kündigen bereits die nächsten Modelle an – diesmal explizit mit dem Hinweis auf deren TV-Tauglichkeit.
Obendrein hat ein Handy hat gegenüber dem iPod einen großen Vorteil: es ist in der Lage, Daten direkt aus dem Netz zu laden und wiederzugeben – der iPod ist nur ein Player ohne eigenes Empfangsteil, kann also nur wiedergeben, nicht empfangen und benötigt einen PC, vom dem aus die Daten auf seine interne Festplatte überspielt werden.
Kurz: Es scheint also zumindest nicht, wie ich bislang dachte, völliger Unfug zu sein, Film und Handy zu verknüpfen.
Da überrascht die Meldung nicht, dass Vodafone mit “Vodafone Mobile-TV” nun Fernsehen für UMTS-Handys anbietet. Sender wie N-TV oder Eurosport sollen live zu empfangen sein, andere wie M-TV, Pro7 und Sat1 bieten über Vodafone einzelne Spots, Serien und Seifenopern in einem speziellen Handy-Format an.
Und Vodafone ist mit seinen Bemühungen nicht allein. Unter den Marktbeobachtern ist es daher auch keine Frage mehr, dass mobiles Fernsehen der nächste große Schritt im Mobilfunkmarkt sein wird.
Als Starttermin haben sich die beteiligten Firmen die Fußball-WM 2006 in Deutschland ausgesucht – in der Hoffnung, dass diese sportliche Großveranstaltung für einen entsprechenden Run auf mobile Fernsehbilder sorgen wird.
Allerdings tut sich hier bereits das nächste Problem auf. Derzeit gibt es zwei konkurrierende Übertragungsstandards für mobiles Fernsehen: DMB (Digital Multimedia Broadcast) und DVB-H (Digital Video Broadcasting Handheld) und welches der beiden Formate schließlich das Rennen machen wird, ist noch offen.
