Eine Frage des Vertrauens
Wer auch unterwegs erreichbar sein will (oder muss), der braucht ein Handy, besser noch ein Smartphone. So hat man gleich einen Mini-Computer in der Jackentasche, mit dem nicht nur E-Mail und Webzugriff kein Problem sind, sondern mit dem man auch seine Office-Dokumenten bearbeiten oder auf den Kalender auf dem Firmen-Server zugreifen kann.
Der Preis, der für die wachsende Mobilität bezahlt werden muss, ist die Datensicherheit. Nicht nur, weil ein Gerät unterwegs verschiedenen Gefahren – vom Sturz bis zum Diebstahl – ausgesetzt ist, sondern auch, weil alle Daten, die unterwegs via WLAN, Bluetooth oder andere drahtlose Methoden auf das Smartphone gelangen, prinzipiell abgehört werden können.
Kein Wunder, dass die Anbieter entsprechender Dienste besonderen Wert darauf legen, dass ihre Produkte abhörsicher sind und der Benutzer sich darauf verlassen könne, dass seine vertraulichen Firmendaten, die er in der Wartehalle, der Hotel-Lounge oder im Café bearbeitet, auch vertraulich bleiben.
Die Glaubwürdigkeit solche Versicherungen hängt natürlich von verschiedenen Faktoren ab, wobei die technische Seite zwar recht unproblematisch, aber nur eine Seite der Medaille ist. Denn was nutzt Ihnen eine abhörsichere Technik, wenn der Anbieter, über den Sie Ihr Büro mobil gemacht haben, nicht zuverlässig ist?
Genau vor diesem Problem steht derzeit die Firma Research in Motion (RIM) passiert. RIM ist der Hersteller des sehr populären “Blackberry”-Smartphones und Anbieter des bekanntesten “Push-Mail”-Services. Dabei werden eintreffende E-Mails automatisch an das Blackberry des Empfängers geschickt, ohne dass der daran denken müsste, regelmäßig einen Blick in seine Mailbox zu werfen. Das ist eine sehr praktische Sache, hat aber auch einen Haken. Damit das System funktionieren kann, muss man seine elektronische Post über RIM bzw. deren Produkte abwickeln.
Das aber, so berichtet die französische Tageszeitung Le Monde, scheint den Beratern der französischen Regierung eine eher heikle Sache zu sein. Denn wenn vertrauliche E-Mails von Regierungsmitgliedern über Server einer amerikanischen Firma laufen, dann, so die Befürchtung, kann niemand garantieren, dass nicht der amerikanischen Geheimdienst auch mal einen Blick in die Korrespondenz der französischen Regierung werfen möchte.
Konsequenz: In Zukunft dürfen Mitglieder und Mitarbeiter der Regierung aus Sicherheitsgründen keine Blackberrys mehr benutzen. Das finden die Mitarbeiter nun allerdings gar nicht gut. Und noch jemand ist nicht begeistert: RIM. Das Unternehmen wehrt sich ganz entschieden gegen die Unterstellung, die NSA könne gegebenenfalls in fremden E-Mails schnüffeln.
Denn die sind die ganze Zeit über verschlüsselt, sowohl auf der Festplatte der Blackberry IT-Server als auch beim drahtlosen Versand. Die Verschlüsselung schützt nicht nur den Inhalt der Mail vor fremden Blicken, sondern sorge auch dafür, dass der Ursprung einer E-Mail von außen nicht einsehbar ist. Selbst wenn die NSA also die Server von RIM beschlagnahmt, kann sie mit den Daten nichts anfangen.
Das ist sicher genug, sollte man also meinen. Doch ich glaube nicht, dass sich die Entscheidung der französischen Regierung ändern wird. Denn wie gesagt – Sicherheit ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern des Vertrauens. Wo das fehlt, kann die Technik auch nicht helfen.
