Ein wenig Statistik

Dienstag, 8. Januar 2008, 10.00 Uhr | Giesbert Damaschke

In regelmäßigen Abständen veröffentlicht Net Applications verschiedene Statistiken zu den Marktanteilen von Browsern und Betriebssystemen, an denen sich immer wieder interessante Trends und Entwicklungen ablesen lassen. Doch wie man diese Zahlen interpretiert und welche Schlüsse man aus ihnen zieht, steht auf einem anderen Blatt. Nehmen wir dazu als Beispiel das Hype-Thema des Jahres 2007 – das iPhone.

Net Applications ist ein Anbieter von Statistiksoftware, die von einigen sehr großen Sites eingesetzt wird. Monatlich wertet man dabei rund 160 Millionen Zugriffe aus. Auf diesen Auswertungen basieren die verschiedenen Statistiken, bei denen es es sich also nicht um Zufallsprodukte, sondern um recht valide Abbildungen der tatsächlichen Online-Verhältnisse handelt.

Schon im November überraschte Net Applications mit der Meldung, dass Apples Handy alle Windows-basierten Mobiltelefone in Sachen Internetnutzung deutlich abgehängt habe und um rund 50 Prozent überträfe. Ende Dezember hatte sich der iPone-Anteil fast verdoppelt.

Das ist natürlich eine interessante Angabe und an den Zahlen selbst ist wohl nicht zu zweifeln. Doch was bedeuten sie? Schon Net Applications weist darauf hin, dass sich von diesen Zahlen keine Rückschlüsse auf die verkaufte Stückzahl ziehen lassen. Denn ausgewertet werden nur die Webzugriffe – und da kann ein und dasselbe Gerät natürlich für mehrere Zugriffe verantwortlich sein.

Die erstaunlich hohen Zugriffszahlen könnten zum Beispiel daher rühren, dass

  • die frisch gebackenen iPhone-Besitzer in der ersten Zeit ihr neues Spielzeug ganz besonders intensiv nutzen. In diesem Fall müsste der iPhone-Anteil in den Statistiken im Laufe der Zeit wieder zurückgehen und könnte am Ende sogar deutlich hinter Windows zurückfallen.
  • iPhone-Besitzer generell sehr viel Internet-affiner sind als die Nutzer von Windows-Smartphones und surfen daher emsiger im Netz.
  • die Anwender von Windows-Smartphones überwiegend im Business-Umfeld und auf Sites surfen, die von Net Applications überhaupt nicht berücksichtig werden.
  • die Internet-Nutzung auf dem iPhone so sehr viel einfacher und angenehmer als auf einem Windows-Smartphone, dass man fast automatisch sehr viel häufiger damit ins Internet geht.

Kurz: Die Zahlen von Net Applications sind zwar interessant – aber man sollte sie mit etwas Vorsicht genießen.

Ich tippe übrigens auf den zuletzt angeführten Punkt. Schließlich genügt es nicht, einem Gerät bestimmte Feature mit auf den Weg zu geben – man muss sie auch benutzen können.