E-Mail-Technik (1): Envelope, Header, Body

Montag, 7. November 2005, 15.48 Uhr | Giesbert Damaschke

Die elektronische Post ist ohne Zweifel das wichtigste Arbeitsmittel der modernen Bürokommunikation. Mit E-Mail geht fast alles, ohne E-Mail nichts. Allein das wäre schon Grund genug, einmal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und sich zu fragen, was E-Mail eigentlich im Innersten zusammen hält.

Doch das ist nicht der einzige Grund. Ein vertieftes Grundverständnis von E-Mail hilft auch dabei, das Werkzeug “E-Mail” effizienter zu nutzen.

Wer weiß, wie E-Mail prinzipiell funktioniert, der weiß auch, was mit E-Mail geht – und was nicht.

Wer wissen will, warum manche E-Mails als unleserlicher Wurschtelcode ankommen, warum man in seinem Postfach E-Mails vorfindet, die nicht für einen bestimmt gewesen sind oder wie es möglich ist, dass im eigenen Namen Spam und Viren verschickt werden, der muss einen Blick hinter die Kulissen seines E-Mail-Programms werfen.

Dies ist also der erste Teil eines kleinen Mehrteilers, der in lockerer Folge in die technischen Grundlagen von E-Mail einführen.

Was ist E-Mail?

Ein elektronischer Brief ist nichts anderes, als ein langer Text, der mit dem so genannten “Simple Mail Transfer Protocol” (kurz SMTP) im Internet transportiert wird.

SMTP wurde erstmal im August 1982 im RFC 821 definiert. Es wurde mehrfach überarbeitet, ist im Kern aber gleich geblieben. Die heute aktuelle Fassung trägt die Nummer RFC 2821 und ist vom April 2001.

Nach diesem Protocol besteht eine “mail object”, also eine E-Mail, prinzipiell aus zwei Teilen: Dem “Envelope” und dem “Content”, also Umschlag und Inhalt der Mail. Der Inhalt besteht wiederum aus zwei Teilen: Dem “Header” und dem “Body”, den Kopfdaten und dem Textkörper der Nachricht.

Der Envelope

Der Envelope ist der digitale Umschlag der E-Mail. Seine Funktion entspricht der eines normalen Umschlags bei einem Papierbrief. Im (oder, wenn Sie so wollen, auf dem) Envelope finden sich die Namen von Absender und Empfänger der E-Mail. Doch anders als bei einem normalen Brief werden Sie den digitalen Umschlag nicht so ohne weiteres zu Gesicht bekommen. Er dient einzig zur Organisation des Mailverkehrs im Internet und hinterlässt nicht immer eine Spur in der eigentlichen Mail. Zwar tragen inzwischen einige Mailserver die Envelope-Daten in den “Header” der E-Mail ein, aber darauf verlassen kann man sich nicht.

Content 1: Der Header

Der E-Mail-Header bzw. die “Kopfdaten” einer E-Mail gehören bereits zum Content, also dem Inhalt der E-Mail. Sie enthalten eine Reihe von organisatorischen Angaben wie Absender, Empfänger, Datum der Mail oder die Namen der Mailstationen, die bei der Übermittlung der Nachricht beteiligt waren. Im Gegensatz zu den Einträgen im Envelope dienen diese Einträge nicht der Organisation des Mailverkehrs, sondern der Information des Empfängers und werden daher von Mailprogrammen auch angezeigt. Jeder Mailserver, über den die E-Mail im Internet transportiert wird, kann diese Kopfdaten verändern – und er tut dies auch.

Umschlag vs. Kopfdaten

Es ist sehr wichtig, sich die Trennung von Umschlag und Kopfdaten völlig klar zu machen: Der Empfänger-Eintrag im Envelope bestimmt, in welchem Postfach eine Nachricht schließlich landet. Dieser Empfänger-Eintrag kann, aber er muss nicht mit dem Empfänger-Eintrag im Mailheader übereinstimmen.

Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Sie eine E-Mail über einen Listen- oder Newsletterverteiler bekommen. Im Envelope steht Ihre Adresse, in den Kopfdaten findet sich aber die Listen-Adresse als Empfänger.

Auch eine E-Mail in Blindkopie (also einer BCC-Adressierung) basiert auf dieser Trennung. In diesem Fall steht der Empfänger zwar auf dem Umschlag und bekommt die E-Mail, aber seine Mailadresse taucht im Header nicht mehr auf.

Diese Trennung lässt sich natürlich auch missbrauchen. Durch sie ist es möglich, Absender- und Empfängernamen zu fälschen oder zu verschleiern. Denken Sie bei der Analyse einer E-Mail immer daran, dass die echten Daten nur im Envelope stehen.

Content 2: Der Body

Der zweite Teil des Content ist der “Body”, also der Textkörper. Er enthält die eigentliche E-Mail-Nachricht. Zum Body gehören auch alle angehängten Dateien. Da es sich dabei nicht immer um Texte handelt (sondern um binäre Daten wie Lieder, Programme, Bilder, speziell formatierte Dokumente oder ähnliches), E-Mail aber nur Text transportiert, werden die Dateien durch spezielle Kodierungsverfahren in Text umgewandelt. Das Mail-Programm des Empfängers rekonstruiert daraus dann wieder die ursprünglichen Dateien.

Mit diesen Codierungsverfahren – die auch dafür zuständig sind, Sonderzeichen wie Umlaute, Akzente oder das “ß” heil durchs Internet zu bringen – , wird sich ein späterer Teil dieser kleinen Grundlagen Reihe beschäftigen.