E-Bay stellt die Vertrauensfrage neu

Montag, 11. Februar 2008, 12.11 Uhr | Giesbert Damaschke

Im Internet, so ein fast schon klassisches Sprichwort, im Internet weiß niemand, dass Du ein Hund bist. Gemeint ist damit, dass man bei einer rein virtuellen Bekanntschaft nie sicher sein kann, dass das, was einem da erzählt wird, auch tatsächlich stimmt. Diese prinzipielle Unsicherheit beeinflusst die gesamte Kommunikation und sämtliche Beziehungen im Netz und spielt besonders da eine Rolle, wo der Spaß bekanntlich aufhört: beim Geld.

Denn bevor man einem Anbieter im Internet etwas abkauft, möchte man als Kunde natürlich sicher sein, keinem Betrüger oder Hehler aufzusitzen und als Händler, dass der Kunde die Waren auch bezahlt, die man ihm liefert. Bei digitalen Flohmärkten stellt sich diese Vertrauensfrage besonders dringlich, lockt doch die typische, gedrängte Atmosphäre des ständigen Kommen und Gehens auch im Internet Betrüger und virtuelle Taschendiebe sonder Zahl an.

Hier haben sich im Laufe der Zeit eine Reihe von vertrauensbildenden Maßnahmen entwickelt, deren wichtigste wohl die gegenseitige, öffentliche Beurteilung von Käufer und Verkäufer ist. So profitiert unterm Strich die gesamte Gemeinschaft von den individuellen Erfahrungen einzelner Teilnehmer.

Für Plattformen wie E-Bay ist das Bewertungssystem daher einer der wichtigsten Stützpfeiler überhaupt, ohne den der gesamte virtuelle Markt zusammenbräche. Und genau an diesen Stützpfeiler will E-Bay nun Hand legen. Natürlich nur, um ihn zu stärken und nicht, um ihn zu fällen.

Geplant ist, die bisher mögliche negative Beurteilung eines Käufers durch einen Verkäufers abzuschaffen. Ein Verkäufer soll einen Käufer in Zukunft nur positiv oder neutral beurteilen können. Umgekehrt bleibt allerdings alles beim alten, ein Käufer kann einem Verkäufer nach wie vor eine negative Beurteilung verpassen.

Auf den ersten Blick wirkt das ein wenig unfair, aber E-Bay versichert, man wolle mit der Neureglung dem Missbrauch des Beurteilungssystems entgegenwirken. Derzeit komme es nämlich immer wieder zu Racheaktionen: manche schlecht beurteilten Verkäufer hätten im Gegenzug den Käufern ebenfalls eine schlechte Beurteilung verpasst. So seien Kunden eingeschüchtert oder gar zum Schweigen gebracht worden.

Das sehen die Händler naturgemäß anders und es formiert teilweise heftiger Protest, wobei es auch zu Boykott-Aufrufen kommt. Denn zwar mag E-Bay mit der Änderung die Käufer schützen – die bei einer Transaktion schließlich in Vorleistung treten und darauf hoffen müssen, dass ein im Voraus bezahlter Artikel auch tatsächlich geliefert wird –: Nun fürchten die Händler, dass sie säumigen Zahlern bis zur Erpressung ausgeliefert sind. Der Eingriff in das Beurteilungssystem hat also sehr weitreichende Konsequenzen, schließlich muss E-Bay nun den Händlern Mittel in die Hand geben, sich vor betrügerischen Kunden zu schützen.

Wie diese Werkzeuge allerdings aussehen und wie E-Bay den Missbrauch auch des neuen Systems entgegenwirken will, bleibt abzuwarten.