DVB-H ist Europas Standard für mobiles Fernsehen

Mittwoch, 19. März 2008, 7.03 Uhr | Giesbert Damaschke

Nachdem die Formatschlacht HD-DVD vs. Blu-Ray beendet ist, wird es höchste Zeit, dass die Industrie auch bei einem anderen Format-Hickhack endlich mal, salopp gesagt, zu Potte kommt: dem Übertragungsstandard für mobiles Fernsehen oder “Handy-TV”. Technisch ist das nämlich seit Jahren problemlos möglich, aber bislang sind alle Versuche, das Verfahren auf dem Markt zu etablieren, kläglich gescheitert.

Zum einen lag das sicherlich am lückenhaften Angebot und hohen Preisen, zum anderen aber auch am fehlenden Standard. Denn ohne allgemein akzeptierten Standard ist die Produktion eines Gerätes immer ein Risiko (denken Sie an die Hersteller, die auf HD-DVD gesetzt haben und nun vor vollen Lagern mit Geräten stehen, die sie nur noch zum Schleuderpreis loswerden).

Doch damit ist Schluss – jedenfalls wenn es nach dem Willen der EU-Kommission geht. Die nämlich hat keine Lust mehr, dem Markt dabei zuzusehen, wie er eine zentrale Zukunftstechnologie im Formatkampf verspielt oder doch deutlich verzögert, und hat sich nun eindeutig für DVB-H ausgesprochen (Digital Video Broadcasting – Handhelds). Damit sind alle Mitgliedsstaaten der EU dazu aufgefordert, DVB-H als Standard für mobiles Fernsehen festzulegen.

Dass mobiles Fernsehen zum Milliarden-Markt werden wird, scheint für die EU-Kommission unzweifelhaft. Bis zum Jahr 2011 rechnet man weltweit mit rund 500 Millionen Zuschauern und Umsätzen von rund 20 Milliarden Euro. Um so dringlicheren Handlungsbedarf sieht man auf diesem Gebiet, laufe Europa doch Gefahr, seinen Entwicklungsvorsprung, wenn nicht gar den Anschluss zu verlieren.
Schon jetzt laufen in 16 EU-Ländern verschiedene Pilotprojekte mit DVB-H, hieruzulande muss es wieder einmal der Fußball richten. Nachdem bereits die Fußball-WM für den Durchbruch von Handy-TV sorgen sollte, richten sich die Hoffnungen jetzt auf die kommende Europameisterschaft.

Es gibt auch schon Preisvorstellungen. Zwischen fünf und zehn Euro im Monat soll ein Basis-Paket kosten. Was genau in diesem Paket alles enthalten sein soll, wird man abwarten müssen.