Digitales Papier

Donnerstag, 8. Dezember 2005, 17.44 Uhr | Giesbert Damaschke

Seit etlichen Jahren geistern Begriffe wie “E-Paper”, “Digital Ink” oder “Digitales Papier” durch die IT-Szene. Gemeint ist damit ein Datenträger, der die Vorteile von Papier mit denen eines elektronischen Displays verbindet. Digitales Papier wäre so flexibel und ortsunabhängig wie echtes Papier, könnte aber drahtlos permanent mit neuen Inhalten versehen werden oder Notizen des Anwender in eine Datenbank übertragen. Ein solches Material hätte große Vorteile und zahlreiche Einsatzgebiete.Die verschiedenen Szenarios reichen dabei von Preisschildern, die zentral über ein Funksignal geändert werden können über alle möglichen Arten von Verwaltungsunterlagen, die immer den jeweils aktuellen Inhalt bieten bis hin zur individuellen Zeitung, bei der sich der Anwender die ihn interessierende Rubriken via WLAN aus dem Internet auf sein digitales Papier senden lässt, um beim Frühstück in Ruhe seine Zeitung lesen zu können.

Allerdings blieb die technische Entwicklung bislang weit hinter den hochfliegenden Plänen und Szenarien zurück. Bislang gelangen nur Prototypen im Karteikartenformat an die Öffentlichkeit und die gesamte Forschungsrichtung gleicht eher einem noch einzulösenden Versprechen als einem konkreten Produkt.

Doch auch wenn von Marktreife noch lange keine Rede sein kann, macht die Entwicklung doch weiter große Fortschritte.

So hat nun der Hersteller “Plastic Logic” ein flexibles 10-Zoll-Display vorgestellt, das mit seiner maximalen Dicke von gerade mal 0,4 mm einem Blatt Papier sehr ähnlich sieht und zwar nicht gefaltet, aber doch vorsichtig gerollt werden kann. Bei diesem Display handelt es sich um die bislang größte Version eines digitalen Papiers, das fast schon A4-Größe erreicht. Es besteht aus einer Kombination aus einem speziellen Polymer und der “elektronischen Tinte” des Herstellers “E-Ink”, deren Technologie bislang unter anderem für kleine Displays zur Ziffernanzeige oder bei digitalen Büchern eingesetzt wurde.

Das System zeichnet sich dadurch aus, dass es lediglich zum Wechsel der Inhalte Energie benötigt. Eine kontinuierliche Stromversorgung ist also nicht nötig, eine einmal geladene Seite kann ohne weitere Energiezufuhr gelesen werden. So kann man zum Beispiel die gewünschten Inhalte laden, das digitale Papier zusammenrollen, mitnehmen und unterwegs lesen.

Ein solches Szenario ist natürlich noch Zukunftsmusik. Der von Plastic Logic vorgestellte Prototyp besitzt lediglich eine Auflösung von 600 x 800 Bildpunkten und kann Text bzw. Bilder mit vier Graustufen vorstellen. Nach Produktfotos des Herstellers zu schließen, scheinen sich damit Seiten darstellen zu lassen, die ungefähr wie ein schlechter Zeitungsdruck aussehen. Das ist natürlich besser als nichts – aber für den realistischen Einsatz in der Praxis noch viel zu wenig.

Plastic Logic sieht das Einsatzgebiet seines digitalen Papiers denn auch weniger im Ersatz des echten Papiers, sondern eher als neue Display-Technologie für Notebooks, bei denen das Display immer noch das empfindlichste Bauteil sind. Digitales Papier wäre nicht nur in rauher Umgebung weniger störanfällig als herkömmliche TFT-Displays, sondern auch deutlich leichter und flexibler als die neuerdings häufiger zu finden glasgeschützten Notebook-Displays.

Wie gesagt, das ist angesichts der aktuellen Darstellungsqualität noch ferne Zukunftsmusik. Aber warten wir’s ab – mitunter kommt die Zukunft schneller als man glaubt.

Homepage von Plastic Logic

Homepage von E-Ink