Die Stunde der Verramscher
Jetzt hat sich auch Microsoft offiziell von HD DVD verabschiedet und die Produktion externer HD-DVD-Laufwerke für die Spielekonsole Xbox 360 eingestellt. Der Schritt war nach Toshibas Ausstieg nur noch eine reine Formsache und kommt wenig überraschend. Jetzt schlägt die Stunde der Verramscher: die Laufwerke kosteten offiziell um die 120 US-Dollar, demnächst wird es sie für rund 50 US-Dollar geben. Auch die Restbestände an anderen HD-DVD-Playern und natürlich auch an HD-DVDs selbst werden in den nächsten Wochen wohl im Ramsch zu drastisch gesenkten Preisen auftauchen.
Da könnte es sich durchaus lohnen, doch noch einmal zuzugreifen. Zwar wird es wohl kaum noch Neuerscheinungen auf HD-DVD geben, aber das heißt ja nicht, dass die bisher verfügbare Filme und Spiele schlagartig unbrauchbar geworden wären. Und wer Besitzer eines HD-DVD-Players ist, sollte die Ramschecken beim Elektrodiscounter erst recht im Auge behalten, früher oder später werden hier alle Scheiben auftauchen, die in diesem Format veröffentlicht wurden.
Doch alles in allem : war’s das, die HD-DVD gibt es nicht mehr. Wobei ich zugeben muss, dass ich einigermaßen überrascht bin. Ich hätte nicht gedacht, dass ein Industrie-Standard, der immerhin von Microsoft und Intel unterstützt wird, den Kürzeren ziehen würde. Noch vor einem Vierteljahr hätte ich wohl unbedenklich auf HD-DVD gewettet und Blu-ray keine Chance gegeben.
Doch was nun? Nun hat Blu-ray den Formatkrieg zwar gewonnen, aber was bedeutet das für den Markt und für die Verbraucher? Wenn man den Marktforschern und Lobby-Verbänden glauben darf –: überhaupt nichts. Zumindest nicht in den nächsten zwei bis fünf Jahren. Denn für die meisten Verbraucher genügen die Möglichkeiten, die die DVD ihnen bietet.
Anders gesagt: die DVD ist noch gut genug, um einen Wechsel zu Blu-ray vorerst zu verhindern oder doch sehr zu verlangsamen. Zwar wird sich auf mittelfristige Sicht Blu-ray durchsetzen, aber bis es soweit ist, kann man ruhig noch bei DVD bleiben. Und wer weiß, am Ende könnte es so ausgehen, dass viele Anwender von der DVD direkt zu Video on demand wechseln und Blu-ray einfach überspringen.
Nun, das können wir gelassen abwarten. Ich jedenfalls sehe überhaupt keinen Grund, meine bescheidene Kombination aus analogem TV-Gerät und DVD hochauflösend und kostspielig umzurüsten, nur um in fünf Jahren erneut mit veraltetem Equipment herumzusitzen. Da bleibe ich doch lieber bei dem, was ich derzeit habe und dessen Qualität für meine Amsprüche mehr als akzeptabel ist.
Und bis ich all die Filme gesehen habe, die ich gerne sehen möchte und die derzeit auf DVD zu haben sind, geht ohnehin noch so mancher Monat ins Land. Dann sehen wir weiter.
