Die Schlacht um die DVD-Nachfolge ist entschieden. Oder auch nicht.

Mittwoch, 9. Januar 2008, 10.23 Uhr | Giesbert Damaschke

Eine seit Jahren verbissen geführte Schlacht scheint sich ihrem Ende zu nähern: die Schlacht um die DVD-Nachfolge.

Gleich zwei Formate möchten die DVD beerben und kämpfen um die Herrschaft im Reich der Silberscheiben. HD-DVD auf der einen, Blu-ray auf der anderen Seite. Die treibende Kraft hinter HD-DVD ist Toshiba, bei Blu-ray ist es Sony.

Bereits im September 2005 habe ich an dieser Stelle über den Formatkampf zwischen den designierten DVD-Nachfolgern berichtet. Seinerzeit waren die Kompromissverhandlungen zwischen den beiden Lagern ergebnislos abgebrochen worden.

Seitdem sammelt man auf beiden Seiten eifrig Mitstreiter und buhlt um die Gunst der Inhalte-Industrie. Denn eines ist völlig klar: Das Speicherformat, in dem das größte Angebot an Filmen, Spielen und Programmen veröffentlicht wird, wird am Ende das Rennen machen. So schien mit Microsofts Unterstützung von HD-DVD der Kampf schon entschieden, bevor er so richtig begonnen hatte, doch auch Sony konnte immer mehr Firmen wie Hitachi, Philips oder Samsung von den Vorteilen von Blu-ray überzeugen.

Ein knappes Jahr später, im August 2006, kursierten die ersten Verkaufszahlen und Trendmeldungen. Damals schien HD-DVD einen leichten Vorsprung zu haben. Das kam wenig überraschend, war HD-DVD doch zuerst am Start, während sich bei Blu-ray die Markteinführung durch technische Probleme verzögerte und man wertvolle Monate verlor, in denen HD-DVD-Gerät bereits zu kaufen waren.

Doch seither hat Blu-ray deutlich aufgeholt und der Startvorsprung von HD-DVD ist zusammengeschmolzen. Ja, mehr noch: derzeit scheint Blu-ray sogar in Führung zu liegen. Allerdings wird bei der Zählung der verkauften Blu-ray-Player auch Sonys Playstation mitgerechnet, die ein entsprechendes Laufwerk besitzt. Das verzerrt ein wenig die Perspektive auf die tatsächliche Marktdurchdringung bei Computer und in den Wohnzimmern der Konsumenten.

Betrachtet man allerdings nicht die Zahl der verkauften Player, sondern konzentriert sich auf das Filmangebot, ist die Sache klar. Für HD-DVD liegen rund 400 Filme vor, Blu-ray kann mit 450 Filmen kontern. Diese Zahlen werden sich im Laufe des Jahres wohl deutlich in Richtung Blu-ray verschieben.

Denn nun hat das große und wichtige Filmstudio Warner die Unterstützung von HD-DVD eingestellt. Noch bietet man zwar Filme in beiden Formaten an, aber die Verkaufszahlen gaben den Ausschlag: die Kunden griffen so deutlich zu den Blu-ray-Versionen, dass es sich für Warner nicht mehr lohnt, Filme auch in HD-DVD auf den Markt zu bringen.

Warners Stimmungswandel wird von Marktbeobachtern als Vorentscheidung des Formatkampfes gewertet. Noch kann das HD-DVD-Lager mit Universal und Paramount zwar zwei der größten Filmstudios in seinen Reihen vorweisen, sollte der deutliche Trend zu Blu-ray allerdings anhalten oder sich gar verstärken, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch diese beiden Studios die Seite wechseln.

Doch ganz gleich, welches Format am Ende gewinnen wird, deutlich ist auch, dass weder HD-DVD noch Blu-ray die Vormachtstellung der DVD in naher Zukunft brechen werden – dafür ist nicht nur das Filmangebot nachgerade lächerlich klein, es ist auch alles in allem viel zu teuer.

Und ob sich daran in den nächsten Monaten sonderlich viel ändern wird, darf bezweifelt werden.

Daher mein Tipp: Bleiben Sie getrost bei der DVD und legen Sie dem Getümmel auf dem Markt keine allzugroße Bedeutung bei.