Die nächste Versteigerung kommt bestimmt

Freitag, 25. April 2008, 6.22 Uhr | Giesbert Damaschke

Erinnern Sie sich noch an den Oktober 2000? Damals, auf dem Höhepunkt der ersten Internet-Welle, als alle Welt schier besinnungslos ins Internet taumelte, der Businessplan eines Start-Ups in zehn Minuten auf einen Bierdeckel gekritzelt wurde und die Konzerne Milliarden in die neue Medien pumpten, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung davon zu haben, wie das Geld jemals wieder zurück fließen solle, kam die Bundesnetzagentur auf die pfiffige Idee, die Lizenzen zur Nutzung bestimmter UMTS-Frequenzen an den Meistbietenden zu versteigern.

Für den Finanzminister war das ein lohnendes Geschäft, spülte die Versteigerung doch satte 50 Milliarden Euro (!) in die öffentlichen Kassen – ohne dass man dafür mehr tun musste, als eine Genehmigung zu unterschreiben.

Ob sich die Versteigerung für Mobilfunkunternehmen ebenfalls gelohnt hat, kann wohl bezweifelt werden. Rund 16 Milliarden Euro haben T-Mobile, Vodafone & Co. hingeblättert – und auch heute, acht Jahre nach diesem Wahnsinn, sieht es nicht so aus, als wäre UMTS nun ein Supergeschäft, mit dem man die verschleuderten Milliarden leichtlich wieder hereinbekäme. Dabei blieben einige Unternehmen auch auf der Strecke. Mobilcom etwa gab im Jahr 2003 die  ersteigerte UMTS-Lizenz wieder zurück, weil man die damit verbundenen Auflagen nicht erfüllen konnte.

Und wir, die Bürger, Anwender und potentielle UMTS-Kunden, für die man diesen ganzen Zirkus überhaupt veranstaltet hat? Wir hatten von diesem Geschäft nur sehr indirekt etwas, nämlich über die Entlastung des öffentlichen Haushaltes. Ansonsten aber haben die enormen Anfangskosten dafür gesorgt, dass UMTS hierzulande viel zu teuer war (und eigentlich immer noch ist).

Nun rüstet die Bundesnetzagentur zur nächsten Lizenzversteigerung. Dieses Mal geht es um Frequenzen für Breitbanddienste in den Bereichen 1,8 GHz (GSM 1800), 2 GHz und 2,6 GHz. Mit von der Partie ist auch die von Mobilcom zurück gegebene Lizenz. Geplant war die Auktion für dieses Jahr, jetzt peilt man das Jahr 2009 an. Schon jetzt, so heißt es, übersteige die Nachfrage das verfügbare Angebot.

Ob sich der Wahnsinn des Jahres 2000 wiederholen wird?