Die Geldvernichtungsmaschine (2)

Freitag, 28. Juli 2006, 10.26 Uhr | Giesbert Damaschke

Gestern habe ich an dieser Stelle kurz einen Blick auf die Boomphase des Internet und den König der Geldausgeber, Jeff Bezos, geworfen. Dabei schloss ich mit der Frage, wo die eigentlich die versprochenen Gewinne bleiben. Hier knüpfe ich nun an.

Wo bleiben die Gewinne?

Bislang ging die Amazon-Gleichung nur halb und damit gar nicht auf. Zwar schossen die Umsätze steil nach oben – doch das galt auch für die Verluste. Von den versprochenen Gewinnen fehlte dagegen lange Jahre jede Spur.

Selbst in der Boomphase des Internet machte Amazon jedes Jahr mehrere hundert Millionen US-Dollar Verlust und noch kurz vor dem Platzen der Internet-Blase überraschte man die Branche mit einem Rekord-Minus. Das Jahr 2000 schloss man mit satten 1,4 Milliarden US-Dollar Verlust ab.

Damit wurde es nun allerdings auch für Amazon etwas eng. Sechs Jahre nach dem Start wollte man der Gewinnzone endlich energisch näher kommen und ging daran, Geld zu sparen. Allerdings fiel dem Star der New Economy auch nichts besseres ein als den Vertretern der Old Economy. Um die laufenden Kosten in den Griff zu kriegen, entließ man kurzerhand 15 Prozent der Belegschaft: Für 1300 Mitarbeiter war der Amazon-Traum Anfang 2001 ausgeträumt.

Immerhin: Im vierten Quartal 2001 konnte Amazon endlich den ersten bescheidenen Gewinn von fünf Millionen US-Dollar melden – bei rund 572 Millionen Verlust in den drei vorhergehenden Quartalen.

Im darauf folgenden Jahr sanken zwar die Verluste deutlich, allerdings auch die Gewinne. Dieses Mal standen 151 Millionen US-Dollar Verlust kümmerliche 2,6 Millionen US-Dollar Gewinn gegenüber.

Erst seit dem dritten Quartal 2003, rund neun Jahre nach Gründung des Unternehmens, meldet Amazon kontinuierlich Gewinn.

Nichts für schwache Nerven

Doch das heißt noch nicht, dass Bezos’ Strategie des grenzenlosen Wachstums mit sicherer Gewinngarantie nach fast zehn Jahren endlich aufgegangen wäre.

Denn nach wie vor sind die Bilanzen von Amazon Achterbahnfahrten und nichts für schwache Nerven. Nicht nur, dass die Gewinne in keinem Vergleich zu den exorbitanten Ausgaben früherer Jahre stehen, sie schwanken auch noch sehr stark zwischen zum Teil extremen Werten. Dabei sorgen besonders die enorm umsatzstarken Weihnachtsquartale für erfreuliche Gewinne, denen gegenüber die anderen Quartale eher dahindümpeln. Und es geht schon wieder abwärtz. Denn nicht nur bewegen sich die Gewinne, gemessen an den immensen Investitionen der Jahre zuvor, in einem sehr bescheidenen Rahmen – sie fallen auch schon wieder.

Schon das erste Quartal 2006 schloss nur mit einem knappen Plus von 51 Millionen US-Dollar (in den Vergleichsquartalen 2004 und 2005 waren es immerhin noch 111 bzw. 78 Millionen). Doch die jetzt bekannt gegebenen Zahlen für das zweite Quartal 2006 sind noch enttäuschender. Gerade mal 22 Millionen US-Dollar konnte man als Gewinn ausweisen. Und für das dritte Quartal gibt es schon jetzt eine kräftige Gewinnwarnung.

Als Erklärung für die Einbrüche wird das immergleiche Amazon-Mantra angestimmt: Investitionen in den Ausbau des Unternehmens sind der notwendige Schritt für zukünftige Gewinne.

Inzwischen sehen die Börsen-Analysten die Entwicklung mit zunehmender Skepsis. Kritische Stimmen merken an, dass die Aktie deutlich zu hoch notiert sei und sich auf einem Niveau bewege, das allein auf erst noch zu realisierende Gewinnversprechungen beruhe.

Ich warte gespannt auf die nächsten Quartalszahlen.