Die Festplatte lebt. Noch.

Donnerstag, 13. Dezember 2007, 10.01 Uhr | Giesbert Damaschke

Anfang März habe ich an dieser Stelle den Tod der Festplatte ausgerufen. Jetzt, wo sich das Jahr allmählich dem Ende nähert, wird es Zeit, einmal einen Blick in die Rund zu werfen, um zu überprüfen, was meine prophetischen Gaben denn so taugen.

Unter uns gesagt: Nicht allzuviel. Zumindest nicht auf den ersten Blick. Denn nach wie vor dominieren bei PCs und Notebooks die traditionellen Festplatten, nach wie vor wachsen die Kapazitäten der Platten in immer schwindelerregendere Höhen. Heute sind Notebooks mit 250 GB großen Platten normal und selbst 1 TB stellt für einen Desktop keine echte Herausforderung mehr dar.

Weit vom Aussterben entfernt scheinen sich Festplatten im Gegenteil also einer immer größeren Beliebtheit zu erfreuen. Doch der Schein kann bekanntlich trügen.
Anlass für meine Prognose war der allmählich sich entwickelnde Markt der so genannten SSDs, der “Solid State Disks”. Dabei handelt es sich um Massenspeicher, die, ähnlich wie ein USB-Stick oder eine Speicherkarte, mit Speicherbausteinen bestückt sind und keine beweglichen oder mechanischen Teile mehr enthalten. Die Vorteile einer solchen SSD liegen auf der Hand: Sie verbrauchen weniger Strom (zumindest in der Theorie, in der Praxis macht sich dieser Faktor bislang kaum bemerkbar), sie sind kompakter als herkömmliche Festplatten und sie sind weitaus robuster und weniger fehleranfällig als diese.

Die Technologie hinter SSDs ist schon ein paar Jahre alt, aber erst in den letzten Monaten war man soweit, für den Massenmarkt zu produzieren. Anfang März kursierten dann die ersten Ankündigungen von SSD-Notebooks. Diesen Ankündigungen sind allerdings kaum konkrete Produkte gefolgt. Denn noch laborieren SSDs an zwei Problemen: Sie bieten weniger Platz als eine Festplatte und sie sind ganz erheblich teurer.

Doch genau diese beiden Probleme wurden in den letzten Monaten angegangen und zumindest eines scheint gelöst zu sein.

Anfang März bildeten 32 GB die Obergrenze bei SSDs, heute kündigen die Festplattenhersteller wie Samsung, Toshiba, Sandisk oder Seagate SSD-Speicher mit Kapazitäten zwischen 32 bis 128 GB an. Das Größenproblem scheint man also in den Griff bekommen zu haben.

Beim Preis sieht das allerdings noch anders aus, noch immer kostet eine SSD etwa 15 bis 20 Mal soviel wie eine herkömmliche Festplatte. Doch auch das wird wohl kein Dauerzustand sein.

Kurz: Ich lag mit meiner Prognose wohl generell richtig, nur beim Zeitrahmen war ich etwas zu optimistisch.