Die digitale Kluft wird größer

Dienstag, 22. April 2008, 12.04 Uhr | Giesbert Damaschke

Manche Ergebnisse einer Umfrage sind so offensichtlich und erwartbar, dass man sie problemlos vorhersagen kann. Wenn etwa der Bundesverband Informationswissenschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) eine repräsentative Umfrage über Nutzung von Internet und E-Mail in Auftrag gibt, dann weiß man im Grunde, was dabei herauskommen wird: Der emsigste Onliner ist jung, männlich, gebildet und wohlhabend.

Insofern ist es nicht weiter überraschend, wenn der Bitkom seine Pressemeldung mit „E-Mail-Nutzung hängt vom Bildungsniveau ab“ überschreibt.

Erstaunlich ist allerdings, wie gravierend und deutlich diese Unterschiede schon bei der Nutzung eines eigentlich selbstverständlichen Kommunikationsmittels wie E-Mail ausfallen. So versenden nur 30 Prozent der Deutschen mit Hauptschulabschluss täglich private E-Mails, bei Personen mit Realschulabschluss sind es 46 Prozent und bei Abiturienten sogar 67 Prozent.

Neben dem Bildungsgrad hängt die private E-Mail-Nutzung natürlich auch vom Alter ab: Von den 14- bis 29-Jährigen nutzen täglich fast drei Viertel (genauer: 72 Prozent) E-Mails für private Kontakte, bei den 45- bis 59-Jährigen ist es mit 49 Prozent knapp die Hälfte, bei den über 60-Jährigen noch gut ein Viertel (27 Prozent). Unterschiede zeigen sich zu-dem beim Geschlecht. So verschicken 59 Prozent der Männer täglich private Mails, bei den Frauen sind es 43 Prozent.

Für den Bitkom ist das Ergebnis alarmierend: „Die digitale Kluft ist in Deutschland weiterhin erschreckend groß“, sagte August-Wilhelm Scheer, der Präsident des Bitkom. Hier sieht Scheer die Bildungspolitik in der Pflicht, soll doch an deutschen Schulen die IT-Ausstattung so schlecht sein „wie in kaum einem anderen europäischen Land“. Konsequenterweise fordert der Bitkom, dass Informatik zum Pflichtfach werden müsse, sei doch der Umgang mit den Neuen Medien eine Kulturtechnik wie das Lesen und Schreiben.

Nun darf man bei dieser Umfrage und ihrer Interpretation durch den Bitkom-Präsidenten nicht vergessen, dass der Bitkom ein Lobby-Verband ist, der die Dinge natürlich im Interesse seiner Mitglieder auslegt, die natürlich daran interessiert sind, die Schulen als neue Absatzmärkte ihrer Produkte zu erschließen.

Doch letztlich wird man Scheer kaum widersprechen können. Es ist in der Tat an der Zeit, dass die Schulen den (kritischen) Umgang mit den Neuen Medien auf den Lehrplan setzen – allerdings ohne sich dabei in die Abhängigkeit eines Herstellers zu begeben.