Die Billig-Welle rollt
Manche Entwicklungen sind so naheliegend, dass man sich fragt, warum sie bislang noch niemand realisiert hat. Zum Beispiel ein preiswerter, portables Subnotebook. Normalerweise liegt der Preis der kleinen Rechenbegleiter im deutlich vierstelligen Bereich. Doch das muss doch auch billiger gehen. Schließlich sind die Hardwarepreise derart gefallen, dass die Komponenten praktisch kaum noch etwas kosten dürften – es muss ja nicht das Neuste vom Neuen sein, ein solider Allerwelts-PC reicht ja für die meisten Anwendungen und Anwender locker aus. Für die Software bietet der Open-Source-Markt übergenug Auswahl. Warum also hat es so lange gedauert, bis Asus mit dem Eee-PC auf den Markt kam?
Vielleicht hat im Management niemand dieser “klein & billig”-Geräteklasse Erfolg im Markt zugetraut, vielleicht scheute man auch das Image eines Billigherstellers. Doch wie auch immer, das glatte Gegenteil ist eingetreten: Der Eee-PC ist ein fulminanter Erfolg geworden und gilt nicht als billiger Ramsch für Leute, die sich kein anständiges Notebook leisten können, sondern als cooles Gadget für Großstädter.
Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Der Eee-PC ist in der Grundausstattung ein robustes 7-Zoll-Subnotebook mit 4 GB großem SSD (anstelle der mechanischen Festplatte). Es wiegt unter einem Kilogramm, geht via WLAN ins Netz und kommt mit einer speziell angepassten Linux-Version als Betriebssystem: ein tragbarer, leistungsfähiger Internet-Computer für unter 400 Euro (auf dem, wer will, auch Windows XP installieren kann).
Bei Asus scheint man vom Erfolg überrascht worden zu sein, kommt es doch immer wieder zu lang anhaltenden Lieferengpässen. Aber man ruht sich nicht auf seine Lorbeeren aus, sondern kündigt bereits den Nachfolger an. Das neue Modell soll etwas mehr Rechenpower haben, etwas mehr Speicher, ein größeres Display, standardmäßig mit XP statt Linux ausgestattet werden (Linux bleibt aber nach wie vor eine Option) und leider auch ein wenig mehr kosten, nämlich rund 500 Euro. Dafür raunt man in der Gerüchteküche aber auch von einem Touchdisplay und GPS. Asus hat sich große Ziele gesteckt: Bis Ende 2008 will man fünf Millionen Eee-PCs unters Volk gebracht haben.
Lassen wir uns also überraschen – auch von dem, was die Konkurrenz hier zu bieten hat. Denn natürlich lässt der Überraschungserfolg des Eee-PC die anderen Notebook-Hersteller nicht kalt. So will angeblich Acer ein vergleichbares Gerät auf den Markt bringen, das allerdings 50 Euro billiger sein soll.
Selbst Intel will in diesem neuen Marktsegment mitmischen und mit seinem Classmate-Notebook den “Markt für preiswerte Computer in Schwung bringen”. Die Markteinführung in Europa soll, so heißt es, kurz bevor stehen.
Während die Konkurrenz noch versucht, den Eee-PC nachzubauen, plant Asus bereits weiter. Nicht nur neue Versionen des Erfolgsmodells, sondern gleich ganze Produkt-Serien. Der Billig-Desktop ab 199 US-Dollar soll bereits in den nächsten Wochen auf den Markt kommen.
Es wird nicht mehr lange dauern, und ein PC ist so selbstverständlich wie heute Armbanduhr und Handy – und er wird beides ersetzen.
