Der Kopierschutz zappelt noch

Sonntag, 11. Mai 2008, 18.18 Uhr | Giesbert Damaschke

Eigentlich, so sollte man meinen, hat die Erfahrung gezeigt, dass es keine gute Idee ist, seine Kunden mit abstrusen Kopierschutzsystemen gängeln zu wollen. Diese Systeme schützen nichts und sorgen unterm Strich dafür, dass die braven Kunden belästigt werden. Wer einen Song oder eine ganze Platte online kauft, der will diese Musik auf allen möglichen Geräten und den unterschiedlichsten Umgebungen hören können und nicht an einen bestimmte Player oder an ein bestimmtes Setup gebunden sein.

Es ist also weniger überraschend als ökonomisch konsequent, dass Steve Jobs Anfang Februar 2007 den einzig vernünftigen, kaufmännischen Schluss zog und für den generellen Verzicht auf einen Kopierschutz plädierte. Damit gab er der Stimmung in der Branche eine Stimme und im Laufe des Jahres 2007 verzichteten immer mehr Musik-Label auf den DRM-Unfug.

Doch so ganz scheint die Branche noch nicht überzeugt zu sein, ja, fast könnte man auf die Idee kommen, die Inhalteindustrie misstraue der Entwicklung und wünsche sich wieder zurück auf Anfang. Die Stimmung scheint zu kippen, der Kopierschutz bläst zum (hoffentlich letzten) Gefecht.

So berichtet die ORF Futurezone davon, wie der Kopierschutz dank Abo- und Flatfee-Modellen sich anschickt, fröhliche Urständ zu feiern. Denn solche Modelle sind ohne DRM-System nicht zu realisieren. Dabei erhält der Kunde gegen einen monatlichen Betrag vollen und uneingeschränkten Zugriff auf beliebig viel Musik, der natürlich sofort eingestellt wird, wenn der Kunden kündigt. Hier wird Musik also nicht gekauft, sondern geleast und die üblichen Einschränkungen der DRM-verseuchten Systeme bleiben natürlich erhalten. Die Songs können nur auf bestimmten Playern wiedergegeben werden, man kann sie nicht auf CD brennen, nicht zur nächsten Party beisteuern oder im Auto hören.

Es gehört nicht viel Lebenspraxis dazu, einem solchen Abo-Modell keine große Zukunft vorherzusagen. Was die Medienbosse natürlich nicht davon abhält,  »die Erfolgsaussichten solcher Modelle optimistisch« zu beurteilen und von ihnen »einen Impuls für den seit Jahren schrumpfenden Musikmarkt« erhoffen. Damit haben sie vermutlich sogar recht, kann man doch auch einen Tritt in den Hintern als Impuls begreifen.

Diese Entwicklung lässt auch die Fernsehmacher nicht ruhen. Dort träumt man von den Möglichkeiten von HD-TV, mit dem sich die digitale Verwertungskette bitgenau kontrollieren und minutiös festlegen lässt, was der Kunde alles nicht darf. Doch bis es soweit ist, wird es noch ein paar Jahre dauern. So lange wollte man bei Pro 7 wohl nicht warten. Hier strahlt man neuerdings wieder Programme mit Kopierschutz aus und will so wohl verhindern, dass die Zuschauer Serien oder Filme auf DVD brennen, um sie zu einem späteren Zeitpunkt und am Ende gar ohne Werbeunterbrechungen zu gucken.

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Ein Kommentar zu Der Kopierschutz zappelt noch

Arthur Neumann schreibt:
1. Juli 2008, um 11:49

Problem lässt sich doch ganz einfach (und zum Schaden der gierigen Musikindustrie) lösen: Radiotracker für knapp 30 Euro kaufen und dann (je nach Internetzugang) bis zu 100 Songs ausgewählter Künstler (Generes) gleichzeitig per Radio auf die Festplatte ziehen. Völlig legal und ich habe Musikjuwelen gefunden, von deren Existenz bislang nichts wusste.

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