Der Kampf um den Musikmarkt im Internet hat begonnen

Mittwoch, 30. Januar 2008, 6.20 Uhr | Giesbert Damaschke

Das Jahr 2008 ist gerade einmal vier Wochen alt, aber eines der großen Themen des Jahres steht schon jetzt fest: 2008 ist das Jahr, in dem das bislang mit nörgelnden Andeutungen hinter den Kulissen rumorende Gerangel um den Musikmarkt im Internet zum offen geführten Schlagabtausch um Marktanteile und Macht wird.

War das letzte Jahr noch als Jahr des Umbruchs von eher zögerlichen Versuchen, ängstlichen Halbherzigkeiten und schlechter Stimmung bei den Plattenfirmen geprägt, beziehen die verschiedenen Unternehmen jetzt in raschem Tempo Position und rüsten auf.

Dabei ist die Lage derzeit noch sehr übersichtlich, gibt es doch nur zwei Parteien: Auf der einen Seite steht Apple, auf der anderen alle anderen.

Apple dominiert mit dem machtvollen Dreigestirn aus Hardware (iPod), Software (iTunes) und Internet-Plattform (iTunes Store) unangefochten den Musikmarkt im Internet. Glaubt man den Plattenfirmen, dann nutzt Apple diese Position schamlos aus und hält die Musikindustrie skrupellos unter der Knute. Bislang half das Schimpfen den Plattenbossen nicht viel, gab es zu Apples iTunes Store doch keine wirkliche Alternative.

Das ist nun anders. Mit Amazons MP3-Angebot steht nun erstmals ein wirklich ernstzunehmender Herausforderer bereit. Amazon verfügt über die notwendige Logistik und Technik, ist eine weltweit eingeführte Marke mit exzellentem Ruf und beweist mit ihrem MP3-Shop, dass man mindestens so benutzerfreundliche Seiten bauen kann wie Apple.

Da kann es nicht überraschen, dass sich die Musikstudios mit Amazon gegen den übermächtigen Herrscher über die digitale Musik verbünden und ihr kopierschutzfreies MP3-Angebot über Amazon anbieten, nicht aber über den iTunes Store. Das ist nicht ohne Ironie, war es doch Steve Jobs, der im Februar 2007 für eine Abschaffung des Kopierschutzes plädierte und sich dafür allerlei unfreundliche Dinge von den Musiklabels anhören durfte. Nun also erfüllt man zwar Steve Jobs’ Forderung – aber man tut dies dezidiert nicht unter Apples Ägide.

Jetzt hat Amazon den nächsten Schachzug angekündigt: das bislang nur für die USA geltende MP3-Angebot soll im Laufes dieses Jahres international ausgebaut werden.
Damit hat man Apple nun endgültig und unmissverständlich den Fehdehandschuh hingeworfen. Es bleibt abzuwarten, wie Apple ihn aufnehmen wird.