Der agile Koloss und der Handy-Markt

Montag, 3. März 2008, 6.12 Uhr | Giesbert Damaschke

Die fetten Jahre der Handy-Hersteller sind vorbei. Das zumindest behaupten die Markt-Auguren bei Gartner, die für dieses Jahr eine deutliche Abschwächung des bisherigen Handy-Booms vorhersagen.

Bislang kannte der Handy-Markt nur eine Richtung, nämlich steil nach oben. So wurden im Jahr 2007 laut Gartner 16 Prozent mehr Handys verkauft als im Vorjahr, wobei Weltmarktführer Nokia am stärksten zulegen konnte und nun einen Marktanteil von gut 40 Prozent hat.

Doch damit soll es in diesem Jahr vorbei sein, sagt man bei Gartner, und spricht das böse Wort “Marktsättigung” aus. Selbst in den so genannte “Schwellenändern”, die noch im letzten Jahr für einen Nachfrageschub sorgten, ist der Bedarf an Handys allmählich gedeckt. So wundert es nicht, dass man für 2008 zwar noch ein Wachstum voraussagt, aber nur von rund 10 Prozent ausgeht.

Das lässt zwei Entwicklungen erwarten. Zum einen werden die Anbieter versuchen, durch immer neue Modelle und Varianten die Nachfrage nach Handys anzufachen. Zum anderen wird der Verdrängungskampf der Hersteller sich verschärfen.

In beiden Disziplinen ist Nokia derzeit kaum zu schlagen (daran werden wohl auch die vereinzelten Protestaktionen in Deutschland nichts ändern). Der finnische Hersteller ist einerseits ein Koloss im Ring, der die Konkurrenz einfach plattwalzt, andererseits aber agil und schnell genug, um in kürzester Zeit mehr Handy-Modelle auf den Markt zu bringen als andere Hersteller.

Die Konkurrenz hat schon 2007 unter Nokias Vormachtstellung zu leiden gehabt. Denn wenn bei schrumpfenden Wachstumsraten ein Konzern überdurchschnittlich wächst, dann geht das nur auf Kosten der anderen Marktteilnehmer. 2007 hat dies besonders Motorola zu spüren bekommen, die von rund 24 auf knapp 12 Prozent Marktanteil abgestürzt sind.

Für Spannung wird in diesem Jahr wohl vor allem Apples iPhone sorgen. Schon jetzt reagieren die Handy-Hersteller mit teilweise deutlichen Design- und Funktionsanleihen. Und da Apple-Chef Steve Jobs als erklärtes Ziel für dieses Jahr einen Marktanteil von 10 Prozent genannt hat, sollte man sich auf einige Überraschungen aus Cupertino vorbereiten.