Datensammler und -verlierer

Montag, 21. April 2008, 6.12 Uhr | Giesbert Damaschke

Nichts scheinen bundesdeutsche Behörden derzeit lieber zu tun als Daten zu sammeln. Während unsereins sich an den steigenden Temperaturen freut und die immer häufigeren Sonnentage genießt, tüfteln die Schlapphüte an immer neuen Methoden, wie man dem Bürger auf die virtuellen Finger schauen kann.

Jüngste Ergebnisse dieser unermüdlichen Schnüffelei zu unser aller Wohl und Sicherheit (das sagt zumindest der Herr Schäuble und der muss es ja wissen) sind die so genannte Online-Durchsuchung und die noch viel tollere Idee, auch unbescholtene und völlig unverdächtige Bürger per Videoüberwachung bis in die Schlafzimmer zu verfolgen.

Ob man damit allerdings wirklich Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Bei der geplanten Videoüberwachung formiert sich quer durch alle Parteien heftiger Widerstand und bei der Online-Durchsuchung, auf die sich alle Parteien geeinigt haben, müssen nicht nur erhebliche technische Hindernisse überwunden werden, sondern auch finanzielle. Da trifft es sich gar nicht gut, dass, laut Spiegel Online, Innenminister Schäuble die Modernisierung der eher maroden IT-Ausstattung unserer Verfassungsschützer vorerst gestoppt hat. So wird das natürlich nichts mit der angepriesenen Online-Durchsuchung.

Immerhin, das Innenministerium hat dem Spiegel-Bericht widersprochen. Doch selbst, wenn es den Datensammlern allen Fährnissen zum Trotz endlich gelingt, jede Menge Daten zu sammeln, ist immer noch nicht alles gut und der Staat in Sicherheit. Ganz im Gegenteil, dann wird’s erst richtig gefährlich. Denn ab und an verliert unsere Polizei ein paar Computer und mit ihnen natürlich auch alle auf ihnen gespeicherte Daten. Und so wandern umfangreiche Sammlungen sensibelster Daten vom Finanz- bis zum Verteidigungsministerium am Ende noch genau in die Hände, vor deren unheilsamen Wirken uns unsere Politiker ja angeblich erst beschützen wollen.

Der Verlust von Computer- und IT-Ausstattung scheint dabei fast schon Routine zu sein. So nannte das Innenministerium auf eine Kleine Anfrage von Carl-Ludwig Thiele (FDP) erstaunliche Zahlen. In den Jahren 2005 bis 2007 verschwanden aus Ministerien, Behörden und Dienststuben immerhin 189 Desktop-PCs, 326 Notebook, 271 Handys, Smartphones und PDAs und 38 Speichermedien wie CD, DVD oder USB-Stick. Das macht zusammen 824 Datenträger. Auf den Zeitraum von 2005 bis 2007 umgelegt heißt dass, dass alle ein, zwei Tage ein Datenträger mit sensiblen Daten verloren geht.

Da gehen sie dann hin, die gesammelten Daten, Geheimnummern und sonstige Informationen. Eigentlich könnte man meinen, die beamteten Datensammler gingen etwas sorgfältiger mit ihren Sammlungen um. Andererseits warum sollten sie – sind ja nicht ihre Daten. Sondern unsere.