Das Radio lebt!

Dienstag, 29. Januar 2008, 6.00 Uhr | Giesbert Damaschke

Während ich dies schreibe, läuft im Hintergrund das Stück “Jawing” von Albert Collins. Vorher konnte ich Donovans “Young but growing” hören und just im Moment wechselt die Musik zu T-Bone-Walkers “T-Bone Blues”. Ich habe keines der drei Stücke ausgewählt und ehrlich gesagt kenne (bzw. kannte) ich sie auch gar nicht.

Anders gesagt: im Hintergrund läuft Radio. Aber natürlich nicht irgend eines, sondern ein Internet-Radio – und zwar ein besonderes namens Last.fm. Was wohl heißen soll, dass man außer diesem Radio kein anderes mehr braucht.

Und so unrecht haben die Anbieter damit nicht. Denn bei Last.fm läuft ein auf den Geschmack des Anwender zugeschnittenes Programm. Dabei wertet Last.fm die Stücke aus, die der Anwender hört, vergleicht diese Auswahl mit der Auswahl anderer Anwender und kann so Empfehlungen aussprechen.

Ein ganz simples Beispiel zum Funktionsprinzip von Last.fm: Wenn Axel Stücke von Dylan, Donovan und den Birds hört und Bertram Stücke von Neil Young, Donovan und Dylan, dann wird Axel vermutlich auch Neil Young mögen und Bertram könnte Gefallen an den Birds finden.

Das System ist natürlich um einiges komplexer, aber eines wird hier schon deutlich: die Qualität der Empfehlung hängt in jeder Beziehung von der Quantität ab. Je mehr Anwender sich beteiligen und je unterschiedlicher die Musik ist, desto feiner lassen sich Schnittmengen und Empfehlungen bestimmen.

Kein Wunder, dass sich Last.fm vieles einfallen lässt, um für möglichst viele Menschen interessant zu sein. Das beginnt damit, dass die Nutzung natürlich kostenlos ist, geht über viele Community-Funktionen bis zum wohl stärksten Argument, dass man eine wirklich sehr umfangreiche Auswahl zu bieten hat.

Wobei “umfangreich” wohl zu kurz greift, denn erst vor wenigen Tagen einigte man sich mit den großen Musiklabels, die Last.fm als wichtige Vertriebsplattform entdeckt haben (denn natürlich kann man zu jedem Song sofort die passende Platte kaufen).

Jetzt ist Last.fm das umfangreichste, legale und kostenlose Musikradio im Internet. Ein kostenpflichtiges Abo-Modell ist allerdings schon angekündigt.

Und das ist, da bin ich mir sehr sicher, erst der Anfang. Wir werden in diesem Jahr noch häufiger von Last.fm hören.