Das langsame Sterben von Windows XP

Dienstag, 2. Oktober 2007, 16.34 Uhr | Giesbert Damaschke

Seit rund neun Monaten ist Windows Vista nun im freien Verkauf, seit rund neun Monaten werden neue PCs mit vorinstalliertem Windows Vista ausgeliefert. Doch der Erfolg des mit so viel Vorschusslorbeeren bedachten Betriebssystems scheint sich nicht so recht einstellen zu wollen.

Jenseits aller Verkaufszahlen-Statistiken, die man bekanntlich so oder so interpretieren kann, gibt es zwei deutliche Warnsignale.

Zum einen, dass die PC-Hersteller durch die nicht abklingende Nachfrage nach Windows XP wieder damit begonnen haben, auf Wunsch auch XP vorzuinstallieren, zum anderen, dass Microsoft die Lebensdauer von XP nun um fünf Monate verlängert hat. Eigentlich sollte die Unterstützung des Systems im Januar 2008 enden, nun hat Microsoft auf Kundenproteste reagiert und die Supportfrist bis Ende Juni 2008 verlängert.

Im amerikanischen Newsdienst C-Net fasste der Autor Don Reisinger die Stimmung drastisch zusammen: Microsoft solle Vista möglichst schnell als Flop begraben, um zu retten, was zu retten ist. Vista habe keines seiner Versprechen eingehalten und sich als einer der größte Fehler der IT-Geschichte (“one of the biggest blunders in technology”) erwiesen. Vista sei voller Fehler und seine neuen Feature nur schlechte Imitate von Mac OS X und Linux.

Reisingers wütender Kommentar blieb natürlich nicht unwidersprochen. Steven Parker von der Newssite Neowin weist zum Beispiel auf einige Aspekte hin, die von den Vista-Kritikern übersehen werden.

So hat die Verlängerung der Support-Frist bei Microsoft Tradition, es gab sie bei Windows 2000, bei Windows NT und bei allen Windows 9x-Versionen. Die einzige Ausnahme von der Regel bildet Windows Me (denn das war nun wirklich ein kompletter Fehlgriff und niemand wollte Windows Me länger benutzen müssen als unbedingt nötig). Warum also sollte es beim Systemwechsel von XP zu Vista anders sein?

Auch die weiterhin starke Nachfrage nach XP ist zwar ein Argument für XP, aber keines gegen Vista. Windows XP ist länger auf dem Markt als jedes andere Microsoft-Betriebssystem zuvor und spätestens seit dem SP2 auch ein sehr stabiles, zuverlässiges System. Anders gesagt: die Kunden haben sich daran gewöhnt und sehen keinen rechten Grund, auf Vista zu wechseln.

Doch auch das ist nur eine Frage der Zeit. Schließlich haben auch die vorherigen Windows-Versionen Ihren Siegeszug erst nach Erscheinen des jeweiligen SP1 angetreten. Was nicht weiter verwunderlich ist: Wer auf Nummer sicher gehen will, der zögert mit dem Systemwechsel so lange, bis die ersten Kinderkrankheiten vorbei sind und genügend Anwender Erfahrungen gesammelt haben, damit man bei auftretenden Problemen auch jemanden hat, den man fragen kann.

Anders gesagt: Bei Vista sieht es nicht anders aus als bei früherem Windows-Versionen, es dauert halt einfach nur ein wenig länger.