Das lange Warten auf Handy-TV
Technisch ist es inzwischen mehr oder weniger problemlos möglich, TV-Bilder in Echtzeit über das Mobilfunknetz auf Handy und Smartphones zu schicken. Der vielversprechende Stand der technischen Entwicklung hat denn auch so manchen Marktforscher und Anbieter dazu verleitet, den Beginn des Handy-TV auszurufen.
Allerdings ist davon bislang nicht allzuviel zu sehen. Denn damit sich eine Idee durchsetzt, reicht es nicht aus, dass sie technisch realisierbar ist – es muss auch Leute geben, die sich dafür begeistern. Und zwar so sehr, dass sie bereit sind, Geld dafür auszugeben. Doch genau daran hapert es bislang. So sollten etwa die Fans zur Fußball-WM 2006 für den Durchbruch sorgen, aber über einen Achtungserfolg kam das Handy-TV nicht hinaus. Zwar gab es ein starkes Interesse, aber nur wenige Kunden waren bereit, Geld in TV-fähige Handys zu investieren, um anschließend zusätzliche Gebühren für ausgewählte TV-Übertragungen zu bezahlen. Denn vom 24-Stunden-Fernsehen mit mehreren Kanälen und Formaten, das man überall und jederzeit empfangen kann, ist Handy-TV noch weit entfernt.
Nun ruht eine der großen Hoffnungen auf die Etablierung von DVB-H, dem digitalen Standard zur Übertragung von TV-Signalen aufs Handy, doch auch da geht es nicht so voran, wie man es eigentlich gewünscht hat. Eigentlich hätte DVB-H schon zur Fußball-WM starten sollen, wurde dann aber immer wieder verschoben, bis man sich dachte, dass die Fußball-EM 2008 auch ein schöner Termin sei. Aber auch dieser Starttermin scheint inzwischen fraglich zu sein.
Schuld an der Verzögerung als Dauerzustand scheinen diffuse Rechtsverhältnisse zu sein. Schließlich haben hier die Landesmedienanstalten mehr als nur ein Wörtchen mitzureden und auch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten müssen berücksichtigt werden.
Derzeit müht sich der von den Landesmedienanstalten beauftragte Anbieter Mobile 3.0 darum, die Vorgaben der Anstalten zu erfüllen, tut sich dabei deutlich schwerer als gedacht. Bis zum 9. November sollte Mobile 3.0 einen Belegungsplan vorlegen, also angeben, wie es die verfügbaren Sendeplätze aufzuteilen gedenkt. Dieser Termin ist verstrichen, ohne dass Mobile 3.0 die geforderten Unterlagen beibringen konnte. Nun haben die Landesmedienanstalten die Frist noch einmal bis zum 31. Dezember verlängert. Sollte auch dann kein tragfähiges Konzept vorliegen, ist Mobile 3.0 als Plattform wohl aus dem Rennen, was den Start des geplanten Pilotprojekts zur EM 2008 in Frage stelle würde.
Doch noch ist das Jahr nicht vorbei und noch können sich alle Beteiligten einigen. Ganz gleich, welche Hindernisse, Konflikte und Probleme noch bestehen, es wird Zeit, dass den zahllosen Ankündigungen endlich Taten folgen.
