Das Jahr, in dem Kopierschutz starb

Donnerstag, 3. Januar 2008, 10.00 Uhr | Giesbert Damaschke

Gestern habe ich die Prognose abgegeben, dass das Jahr 2008 das Jahr der Browserkämpfe werden würde. Heute schiebe ich gleich noch eine Prognose hinterher: Ende des Jahres 2008 wird der Kopierschutz bei digitaler Musik Geschichte sein.Die Zeichen der Zeit sind kaum noch zu übersehen. Als Steve Jobs im Februar 2007 seine Thoughts on Music veröffentlichte, in dem er den Verzicht auf alle Kopierschutzmaßnahmen forderte, da konnte man das noch für eine fadenscheinige Flucht nach vorn halten. Für Marketinggeklapper, mehr nicht.

Schließlich geriet Apple zu dieser Zeit die enge Kopplung von iTunes Store, iTunes und iPod ins Visier der Verbraucherschützer und es wurden verschieden Klagen gegen Apples Geschäftspraxis angestrengt. Mit seinem Essay konnte Jobs den schwarzen Peter an die Musikindustrie weiterreichen und sich gleichzeitig als Kämpfer wider den Kopierschutz inszenieren, wohl wissend, dass seine Forderung keine praktische Konsequenzen haben würden.

Doch diese Einschätzung erwies sich schon bald als falsch. Wie so oft meinte Steve Jobs wohl genau das, was er sagte: Kopierschutz ist schlecht. Schlecht für die Kunden, weil er die Nutzung legal erworbener digitaler Musik unnötig erschwert. Schlecht für die Musikfirmen, da die Entwicklung sehr viel Geld kostet und sich bislang noch jeder Kopierschutz als wirkungslos erwiesen hat. Die logische Konsequenz aus diesen beiden Feststellungen ist die Forderung, auf den Kopierschutz zu verzichten.

Und genau das tun nach anfänglichem Zögern immer mehr Unternehmen. Inzwischen hat auch Amazon ein digitales Musikgeschäft eröffnet und bietet dort kopierschutzfreie MP3-Dateien an – von EMI, Universal und neuerdings auch von Warner Music. Und nicht nur das, auch die Klassik-Szene ist in Bewegung geraten. So hat hat etwa das renommierte Klassik-Label Deutsche Grammophon einen eigenen Online-Store eröffnet, in dem man klassische Musik im ungeschützten MP3-Format kaufen kann.

Wer diese Entwicklung im Februar vorausgesagt hätte, wäre als realitätsfremder Phantast belächelt worden. Wer weiß, wo wir Ende 2008 stehen werden. Ich bin da sehr optimistisch.