Das Jahr der Browser

Mittwoch, 2. Januar 2008, 10.00 Uhr | Giesbert Damaschke

Zum Jahresbeginn wünsche ich Ihnen alles Gute, Glück und vor allem Gesundheit für ein erfolgreiches Jahr 2008. Und wie es sich gehört, beginne ich dieses Jahr mit einer Prognose: Eines der wichtigen Themen in diesem Jahr wird der Kampf der Webbrowser sein und der lange schwelende “Browserwar” wird in diesem Jahr erbittert geführt werden.Denn diese Programmgattung, für die Bill Gates vor ein paar Jahren nur abfällige Bemerkungen übrig hatte und er einen Webbrowser als ein triviales Stück Software bezeichnete, hat sich endgültig zum zentralen Programm auf jedem neuerem Computer endgültig. Ein moderner PC ohne Browser ist heute so undenkbar wie ein Computer ohne Dateimanager.

Der Browser gehört inzwischen zu den wichtigsten Komponenten eines Systems und ist untrennbar mit den vitalen Funktionen eines Computers verbunden. Insofern war Microsofts Idee, die Browserfunktionalität ins Betriebssystem zu integrieren gar nicht mal so verkehrt – nur die Art und Weise, wie sie diese Idee umgesetzt haben, war, nun, sagen wir: nicht so gelungen.

Der Browser ist das Tor zum Internet, ohne das heute kaum noch etwas geht. Kein Wunder, dass Microsoft versucht hat, dieses Tor möglichst vollständig zu kontrollieren. Ein Versuch, mit dem man fast Erfolg gehabt hätte, hätte die Open-Source-Bewegung den Strategen in Redmond nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Zwar ist der Internet Explorer immer noch die unangefochtene Nummer eins auf dem Browsermarkt, zwar hat Microsoft den großen Vorteil, dass der IE als Windows-Komponente mit fast jedem neuen PC ausgeliefert wird, doch trotzdem hat es Mozilla geschafft, den Browser Firefox in kürzester Zeit nicht nur fest im Markt zu etablieren, sondern obendrein noch zum ernstzunehmenden Herausforderer zu machen.

Heute hat Firefox einen weltweiten Marktanteil rund 15 Prozent (der Wert schwankt ein wenig, je nach Statistik). Das allein ist schon ein beachtlicher Wert, aber dabei soll es nicht bleiben.

Denn im Gespräch mit der Financial Times Deutschland hat Mozillas Chefin Mitchell Baker eine runde Verdopplung des Marktanteils auf 25 bis 30 Prozent als Jahresziel 2008 ausgegeben. Ziel sei es allerdings nicht, einen bestimmten Marktanteil zu erreichen, sondern darum, “Offenheit, Innovation und Interoperabilität im Internet voranzutreiben” – was aber nur gehe, wenn man bei der Verbreitung von Firefox eine kritische Masse erreiche.

Microsoft sollte die Macht Mozillas nicht unterschätzen, steht das gemeinnützige Unternehmen doch nicht allein da, sondern wird von zahlreichen finanzkräftigen Partnern wie etwa Google oder IBM unterstützt. Die nämlich eint die Konkurrenz zu Microsoft und die Überzeugung, mit der Open-Source-Szene die erfolgversprechendste Möglichkeit in der Hand zu haben, um Microsofts monopolartige Stellung auf dem Markt zu kippen.

Doch nicht nur Firefox bläst energisch zum Kampf, auch Apple attackiert Microsoft auf eigenstem Grund und Boden. Mit Safari 3 für Windows versucht Apple nach iTunes und Quicktime ein drittes Mac-Programm unter Windows zu etablieren. Noch ist Apple Browser unter Windows eine fehleranfällige Beta-Version und Steve Jobs’ vollmundige Ankündigung des sichersten und besten Browsers ist für die Windows-Plattform derzeit kaum mehr als die übliche Marketing-Übertreibung. Aber das wird sich aller Voraussicht nach in diesem Jahr deutlich ändern.

Microsoft ist also gut beraten, die Entwicklungsarbeit am Internet Explorer 8 voran zu treiben. Schon einmal hat man die Entwicklung verschlafen, deutlich Marktanteile eingebüßt und mit dem IE 7 notdürftig den Anschluss geschafft. Mit dem IE 8 (dessen erste Beta im ersten Halbjahr 2008 erscheinen soll) wird Microsoft zweifellos versuchen, seine Position nicht nur zu verteidigen, sondern die Angreifer zurückzuwerfen.

Wie gesagt: 2008 wird das Jahr der Browser.