Das iPhone und der Palm-Effekt

Dienstag, 18. März 2008, 17.01 Uhr | Giesbert Damaschke

Vor wenigen Tagen hat Apple das SDK für sein iPhone freigegeben, das iPhone um verschiedene Business-Funktionen erweitert und ein Förderprogramm für Entwickler vorgestellt. Seither rumort es heftig in der IT-Szene und manche Analysten und Marktbeobachter prognostizieren nicht nur einen erheblichen Wachstumsschub für Apples Kult-Handy, sondern sehen gleich den Beginn einer Apple-Dominanz auf dem mobilen Sektor voraus.

Diese Einschätzung mag übertriebener Begeisterung geschuldet sein, unübersehbar ist jedoch, dass Apple mit seiner Ankündigung eine Lawine losgetreten hat.

Das SDK – Software Development Kit, eine Sammlung verschiedener Entwicklerwerkzeuge, um Applikationen für das iPhone zu schreiben – wurde innerhalb von nur vier Tagen mehr als 100.000 Mal heruntergeladen, zeitweilig brachen Apples Server unter dem Andrang zusammen. Das mit 100 Millionen US-Dollar ausgestattete Förderprogramm wurde innerhalb von 36 Stunden mit so viel Vorschlägen und Business-Plans überschüttet, wie man sie für die ersten 30 Tage erwartet hat. Selbst dezidierte Windows-Anhänger wie Paul Thorrott geraten angesichts der von Apple eröffneten Möglichkeiten lebhaft ins Schwärmen.

Sucht man in der IT-Geschichte nach einer vergleichbaren Situation, fällt einem unweigerlich die Erfolgsgeschichte des Palm Pilot ein. Als dieser Westentaschen-Computer 1996 auf den Markt kam, begeisterte er praktisch sofort die Entwickler und Programmierer und wurde zum coolsten Stück Hardware, für das man Programme schreiben konnte. Die Programmierer entwickelten den Ehrgeiz, noch das letzte Bit des kleinen Handflächenwunders auszureizen und Anwendungen auf dieser Plattform zu realisieren, die niemand für möglich gehalten hat. Kein Wunder, dass das Softwareangebot innerhalb kürzester Zeit noch die ausgefallensten Wünsche befriedigen konnte und der Palm Pilot zum dominierenden PDA auf dem Markt wurde.

Auch beim iPhone zeichnet sich dieser Palm-Effekt bereits ab. Schon jetzt gibt es im, nun, sagenwirmal: halblegalen Bereich der Hacker-Szene die unglaublichsten Anwendungen und Programme für das iPhone. Da fällt es nicht schwer, sich auszumalen, wie dieses Angebot explodieren wird, sobald die Entwickler mit dem offiziellem Segen von Apple arbeiten.

Für Palm läutete die begeisterte Aufnahme des Palm Pilot in der Entwicklerszene eine unangefochtene Markt-Dominanz ein, die erst nach einiger Zeit, heftigen Angriffen der Konkurrenz und nicht zuletzt einigen Management-Fehlern bei Palm bröckelte, um schließlich verloren zu gehen.

Wie sich die derzeitige Euphorie der Entwickler über die Möglichkeiten des iPhone auswirken wird, bleibt abzuwarten. Sicher scheint mir jedenfalls, dass an diesem Gerät in wenigen Monaten niemand mehr vorbeikommt, der sich für die Entwicklung auf dem mobilen IT-Markt interessiert. Und das ist schon mal kein schlechtes Ergebnis für eine Firma, die noch nicht einmal ein Jahr auf diesem Markt aktiv ist.