Das Internet wird mobil

Mittwoch, 26. März 2008, 6.28 Uhr | Giesbert Damaschke

Eines der großen Themen und einer der stärksten Wachstumsmärkte in diesem Jahr wird der mobile Internetzugriff sein. Gerade erst ging in den USA die Versteigerung breitbandfähiger Mobilfunklizenzen zuende – und spülte rund 20 Milliarden US-Dollar in die Staatskasse. Die beiden größten Batzen sicherten sich Verizon und AT&T, die knapp 10 bzw. sieben Milliarden US-Dollar für ihre Funklizenzen bezahlen.

Nun ist der Zugriff auf Web & E-Mail via Handy und Smartphone eigentlich ein alter Hut und schon seit längerer Zeit möglich. Nur genutzt wurde er bislang kaum. Offensichtlich scheint die Kluft zwischen “möglich” und “bedienbar” vielfach doch zu groß zu sein. Doch das hat sich spätestens mit der Einführung von Apples iPhone geändert.

Man mag Apples Smartphone für überschätzt und die Begeisterung, die es auslöst, für bloßen, vom Apple-Marketing geschürten Hype halten – unleugbar aber ist, dass die iPhone-Besitzer weit überdurchschnittlich oft das mobile Internet nutzen. Auch hierzulande: rund 30 mal so oft wie andere Kunden würden iPhone-Kunden via Handy im Internet unterwegs sein, hieß es kürzlich in einem internen T-Mobile-Rundschreiben.

Es hat, scheint’s, erst das iPhone gebraucht, damit die schon länger vor sich hinbrodelnde Idee vom “Web in der Hand” Realität werden konnte. Der deutliche Datenschub, den das iPhone in den Netzen der Mobilfunkbetreiber ausgelöst hat, bleibt nicht ohne Folgen. Auch anderen Handy-Hersteller wollen nun beweisen, dass sie in der Lage sind, mobile Internet-Geräte herzustellen, die von den Kunden auch bedient und benutzt werden können.

Aus der Fülle der neuen oder angekündigten Modelle ragen besonders die Android-Ankündigungen hervor. Denn dabei handelt es sich nicht einfach um neue, verbesserte Handys, sondern um den Einsatz neuer Konzepte. Android ist das von Google entwickelte, kostenlose, auf Linux basierende Open-Source-Betriebssystem für mobile Geräte wie Smartphones und PDAs.

Noch ist Android im Entwicklungsstadium, aber die ersten Serien-Geräte mit dem neuen Betriebssystem werden für Ende des Jahres erwartet. Von HTC (die bereits mehrfach bewiesen haben, dass sie komplexe und leistungsfähige Smartphones bauen können) soll das Modell “Dream” stammen, das mit einem großen Touch-Bildschirm und voller Tastatur aufwarten soll. Aber auch bei Samsung und Motorola arbeitet man dem Vernehmen nach bereits mit Hochdruck an den neuen Geräten.

Ich bin sehr gespannt, was den Entwicklern der Handy-Firmen in diesem Jahr noch alles einfallen wird. Denn eines ist auf jeden Fall klar: mit der x-ten, immer gleichen Varianten des immer gleichen Handys wird man auf dem sich neu entwickelnden Markt keinen Blumentopf mehr gewinnen. Das iPhone hat es vorgemacht: ein neuer Markt braucht neue Konzepte.