Das Internet als Musikmarkt
Die Entwicklung ist unübersehbar: Immer mehr Leute kaufen sich Musik nicht mehr auf CD, sondern laden sich ihr Wunschkonzert aus dem Internet herunter. Und damit sind ausnahmsweise einmal nicht die Raubkopierer gemeint, gegen die die Musikindustrie seit längerer Zeit so verbittert vorgeht, sondern die Kunden, die in ganz legalen Online-Stores ganz legal ihre Musik kaufen, um sie auf ihrem Computer oder MP3-Player zu hören.
Zu diesem Schluss kommt man jedenfalls, wenn man die jüngsten Zahlen von Media-Control für das zweite Quartal 2007 betrachtet. Insgesamt, so die Marktforscher, wurden gut 9,3 Millionen digitale Objekte (Songs und Alben) via Internet gekauft. Das entspricht einem satten Plus von über 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Dabei ist der Abverkauf von “Bundles” (also von mehreren Songs auf einmal bzw. ganzen Alben) sogar um fast 42 Prozent angewachsen.
Im gleichen Zeitraum ging der CD-Verkauf weiter zurück. Zwar nur um 2,1 Prozent, aber das ist für die Plattenfirmen besorgniserregend genug, handelt es sich hier doch um einen schon seit längerer Zeit anhaltenden Trend.
Kein Wunder also, dass die großen Player im Markt ihre Muskeln spielen lassen und eifrig dabei sind, den kommenden Zukunftsmarkt im Internet zu besetzen. Noch ist hier zwar Apple mit seinem iTunes Store völlig unangefochten Marktführer und de facto der Monopolist, der die Spielregeln bestimmt, aber diese Position gerät zunehmend unter Beschuss.
Jüngstes Beispiel ist Amazon, die in den USA bereits mit dem Verkauf digitaler Musik begonnen haben – und zwar zu günstigeren Konditionen, als sie Apple bislang zu bieten hatte. Der Marktführer hat prompt reagiert und seine Preise für DRM-freie Musik von bislang 1,28 Euro auf 0,99 Euro gesenkt.
Auch die Musikindustrie rüstet zum Kampf. Der nämlich ist Apples Dominanz und die daraus resultierende starke Verhandlungsposition schon lange ein Dorn im Auge. Allerdings scheint man in den Vorstandsetagen noch zu sehr der guten alten Zeit unangefochtener Marktbeherrschung nachzutrauern, als dass man mit dem neuen Medium wirklich erfolgreich zu Rande käme.
So planen die führende Musiklabels laut einem Bericht der Business Week eine Plattform namens “Total Music”, bei der der Kunde ein Abo abschließt und fortan beliebig viel Musik herunterladen können soll. Das klingt zwar auf Anhieb ganz gut, aber bereits die Finanzierung scheint noch völlig ungeklärt zu sein. Angeblich soll es spezielle Musik-Player geben, an deren Preis die Musiklabels beteiligt sein sollen. Das ist ungefähr so, als würden die Fernsehsender von den Zuschauern verlangen, für jede Sendung ein anderes Gerät zu kaufen und klingt nicht sehr erfolgversprechend.
Doch warten wir’s ab, schließlich ist “Total Music” noch im Gerüchtestadium. Sicher ist jedenfalls eines: Wenn sich die die Plattenfirmen nicht bald etwas einfallen lassen, wird es sie in ein paar Jahren nicht mehr geben.
