Das Ende des Internet
Seit es das Internet gibt wird es vom Chor der Kassandra-Rufer begleitet, die sein baldiges Ende verkünden. Dabei sind die Argumente immer gleich: die rasant steigenden Bandbreitenanforderungen werden schon in wenigen Monaten für den völligen Zusammenbruch überforderter Leitungen sorgen. Alternativ oder auch ergänzend dazu wird in düsteren Menetekeln der Bankrott der Domain-Namen und der IP-Adressen vorhergesagt. Schließlich handelt es sich in beiden Fällen gewissermaßen um begrenzte Ressourcen, die sich nicht unendlich ausbeuten lassen.
Bislang ist keine dieser Prognosen eingetroffen, im Gegenteil. Das Internet wächst weiter kräftig an und transportiert heute Datenmengen, die noch vor fünf Jahren völlig unvorstellbar gewesen sind.
Doch jetzt gilt’s, behauptet das britische Marktforschungsunternehmen Nemerts, das in einer Studie wieder einmal den Zusammenbruch des Internet vorhersagt. Gerade mal zwei Jahre soll es noch dauern, bis das stetig steigende Datenaufkommen für den Totalausfall des Internet sorgen werde. Schuld sind die Musik- und Videoangebote, die die bestehende Infrastruktur überfordern würden.
Zur Untermauerung dieser düsteren Aussichten fuchtelt man mit allerlei Zahlenwerk herum, vergisst aber dabei (wie alle Propheten des Untergangs) so dies und das. Zum Beispiel, dass der heute Zustand nicht für alle Zeit festgeschrieben ist, sondern dass sich Technik weiterentwickelt und bei entsprechendem Problemdruck üblicherweise auch Problemlösungen gefunden werden. Zum andern aber auch, dass das Netz kein starrer Verbund aus Computern und Kabeln, sondern ein lebendiges, anpassungsfähiges Medium mit lernfähigen Nutzern ist.
Wenn etwa ein Video-Angebot zu zäh läuft, als dass man es nutzen könnte, dann nutzt man es ganz einfach nicht. Wenn Online-TV wegen zu großer Datenmengen nicht funktioniert, dann funktioniert es halt nicht. Dem Rest des Internet ist das eigentlich ziemlich egal.
Um da auch einmal eine Prognose zu wagen: Das Netz wird unter den Anforderungen nicht zusammenbrechen, es wird sich entwickeln und anpassen.
