Das Ende der Tageszeitung
Vor ein paar Wochen war es soweit: ich hab mein Abo der Süddeutschen Zeitung gekündigt. Nicht, weil mir die Tageszeitung nicht gefiele, ganz im Gegenteil. Sondern weil ich einfach kaum noch dazu gekommen bin, sie auch wirklich zu lesen.
Lediglich am Wochenende hatte ich die Muße, die einzelnen Teile etwas genauer zu studieren, unter der Woche hat es allenfalls dazu gereicht, rasch die Schlagzeilen auf der ersten Seite zu überfliegen, einen kurzen Blick in die übrigen Teile zu werfen und ansonsten die Zeitung mehr oder weniger ungelesen bis zum Abend aufzuheben.
Abends hatte ich in der Regel aber keine rechte Lust mehr, Meldungen und Berichte zu lesen, die vielfach von den Meldungen des Tages via Internet, Radio und Fernsehen überholt worden waren. Während in der SZ noch über eine Verhandlung spekuliert wurde, kommentierte man im Internet bereits deren Ergebnis.
Und so spielte sich fast jeden Tag das gleiche Schauspiel ab. Ich bekomme morgens die Zeitung, sie veraltet mir praktisch unter den Händen und wandert am Abend nahezu ungelesen ins Altpapier.
Als es mir zuviel wurde, jeden Tag ein, zwei Euro ins Altpapier zu werfen und ich es nicht mehr so recht einsah, warum ich rund 35 Euro im Monat für eine Zeitung ausgebe, die ich nicht lese, habe ich das Abo etwas schweren Herzens (denn wie gesagt, sie gefällt mir ja, die SZ) gekündigt.
Jetzt vermisse ich zwar ein wenig den gewohnten Stapel Papier am Morgen, aber doch deutlich weniger, als ich befürchtet hatte. Die Wochenendausgabe kaufe ich mir bei Gelegenheit zusammen mit den Samstagsmorgensemmeln und unter der Woche informiere ich mich via Internet über alle für mich relevanten Dinge und Themen. Nur selten stoße ich auf den Webseiten der SZ auf einen längeren Artikel oder Kommentar, bei dem ich mir denke, dass ich den lieber auf Papier haben würde, um ihn besser lesen zu können. Aber diese raren Gelegenheiten und das leicht sentimentale Gefühl über den Wegfall der Frühstückszeitung sind mir einfach nicht 35 Euro im Monat wert.
Mit dieser Veränderung in meinem Verhalten stehe ich nicht allein, sondern passe ziemlich gut zu den Ergebnissen einer aktuellen Studie von Caustus Kolo und Robin Meyer-Lucht. die beiden Kommunikationswissenschaftler haben sich den Medienwechsel Zeitung / Online genauer angesehen und nun streng wissenschaftlicher ermittelt, was eigentlich jedem auch ganz unwissenschaftlich klar wird, der mit offenen Augen durch die Gegend geht: Die klassische Tageszeitung stirbt aus, an ihre Stelle treten diverse Online-Medien.
Wann es allerdings soweit sein wird, ist natürlich offen. Klar ist aber, dass unsere Zeitungsverlage sich sputen müssen und ihre Online-Aktivitäten, die ja ja immer noch eher ahnungslos und unkoordiniert wirken und ihre Webseiten, die eher Rumpelkammern als Nachrichtensites sind, überdenken und konzentriert überarbeiten müssen. Sonst sterben am Ende nicht nur die Zeitungen, sondern auch die Zeitungsverlage.
