Das Ende der Scheibe
Als ich vor rund zwei Jahren meine VHS-Sammlung entsorgt habe und komplett zur DVD gewechselt bin, da dachte ich noch, dass mir dieser Schritt neben einer ungleich besseren Bild- und Tonqualität auch mehr Platz im Wohnzimmer bescheren würde, sind doch DVDs platzsparender als VHS-Kassetten.Diese Hoffnung erwies sich leider als trügerisch, die DVDs sammeln sich im rasanten Tempo an und belegen inzwischen Regale, Schränke und Schubladen. Also habe ich die Notbremse gezogen und mir zu Beginn des Jahres ein DVD-Kaufverbot auferlegt.
Als Alternative zum Kaufen, Sammeln & Horten teste ich derzeit den Amazon-DVD-Verleih und bin vom völlig problemlosen Ablauf bislang recht angetan. Man erstellt bei Amazon eine Leihliste und bekommt die gewünschten Filme dann nach Verfügbarkeit per Post zugeschickt. Dabei kommen die DVDs in einem Umschlag, in dem man sie auch portofrei wieder zurückschicken kann
Allerdings sollte man die flotten Werbesprüche nicht allzu wörtlich nehmen. Denn in der Praxis schrumpelt die “unbegrenzte” Anzahl an DVDs im Monat doch rasch auf “vier bis sechs” zusammen. Schließlich dauert der Postversand unter Umständen schon mal zwei Tage – und Wochenenden oder Feiertage beschleunigen die Sache auch nicht unbedingt. Doch ich bin’s zufrieden, vier bis sechs DVDs pro Monat für knapp zehn Euro scheint mir ein akzeptabler Preis zu sein.
Vor allem wenn ich auf meine vollgestopften Regale sehe, in denen sich auch zahlreiche DVDs befinden, die ich mir aus Neugier gekauft, bestenfalls einmal gesehen und mit Sicherheit nie wieder sehen werde. Dergleichen wird in Zukunft ausgeliehen und nur noch in Ausnahmefällen gekauft.
Mit dem Schritt weg vom Kauf hin zum Verleih habe ich den ersten Schritt zum Ende der Scheibe in meinem Alltag getan. Doch da ich mit diesem Schritt durchaus nicht allein bin und den leicht nachgebenden DVD-Verkäufen wachsende Online-Umsätze gegenüberstehen, ist mein Schritt auch Teil des Anfangs vom Ende der Scheiben überhaupt.
Denn die nächste logische Station heißt natürlich Video on demand oder “Online-Videoverleih”. Dergleichen gibt es schon, ist aber noch ein Nischenmarkt. Doch nachdem jetzt auch Apple in dieses Geschäft eingestiegen ist und in den USA digitale Filme in HD-Qualität zum Ausleihen anbietet – man lädt die Filmdatei herunter, hat 30 Tage Zeit, sie am Computer zu öffnen und 24 Stunden nach dem ersten Öffnen Zeit, den Film zu sehen, anschließend vernichtet sich die Datei –, dürfte es kaum noch Zweifel daran geben, dass der digitale Videoverleih sich dem Massenmarkt in rasantem Tempo nähert, wenn er dort nicht gar schon angekommen ist.
Unter diesem Aspekt wird auch der seit Jahren andauernde Streit um das Nachfolgeformat der DVD ein wenig irrelevant. Denn ganz gleich, wer am Schluss das Rennen machen wird, ob Sony mit Blu-ray oder Toshiba mit HD-DVD. Sicher scheint, dass es hier um die Marktführerschaft in einem immer kleiner werdenden Markt geht, der über kurz oder lang verschwinden wird.
