Da lacht der Browser!

Donnerstag, 27. Dezember 2007, 10.55 Uhr | Giesbert Damaschke

Als vor rund einem Dutzend Jahre die Software-Firmen das Internet erobern wollten, wurden alleweil neue, proprietäre Protokolle eingeführt oder eigenbrötlerische Erweiterungen zu bestehenden technischen Standards vorgestellt. Die Idee hinter diesem seltsamen Treiben ist ganz simpel: wem es gelingt, den Kommunikations- und Datenstandard im Internet zu definieren, der kann bestimmen, mit welcher Software die Menschen online gehen.

Auf diesem Modell basiert praktisch das gesamte Microsoft-Imperium, dem es gelungen ist, mit Windows und Office zwei fast unverzichtbare Systeme im Markt zu etablieren, an denen niemand mehr vorbeikommt.

Doch das Internet funktioniert anders, hier sind die Kämpfe um die Definitionsmacht im Netz mehr oder weniger fruchtlose Zeitverschwendung. Denn damit die immense technische Vielfalt im Netz überhaupt eine gemeinsame Basis findet, muss man sich auf unabhängige technische Standards einigen. Es ist im Interesse aller (und damit auch im je eigenen), dass sich möglichst jeder Netzteilnehmer an diese Standards hält. Andernfalls funktioniert das Internet nicht. Anders gesagt: Wer versucht im Internet, proprietäre Standards einzuführen, sägt am Ast, auf dem er sitzt.

Einer dieser Standards, der die Möglichkeiten des Webdesigns in den letzten Jahren entscheidend geprägt hat, hört auf den Namen CSS (Cascading Style Sheets). Für einen modernen Browser ist die Einhaltung des aktuellen CSS-Standards Pflicht (der die Hersteller allerdings nicht immer nachkommen).

Ein guter Indikator für die Standardkonformität eines Browsers ist der so genannte Acid-2-Test. Der macht nichts anderes, als im Browser ein gelbes Grinsegesicht anzuzeigen – falls der Browser den Test besteht. Obwohl Acid 2 nur völlig korrektes, standardkonformes HTML und CSS (mit einigen absichtlich eingebauten Fehlern) benutzt (und eigentlich jeder Browser die Aufgabe mit links erledigen können sollte), scheiterten hier in der Vergangenheit fast alle Hersteller. Inzwischen hat man an breiter Front nachgebessert. Von den großen Herstellern ist es heute nur noch Microsoft, deren Browser am Acid-2-Test komplett versagt. Dass der IE6 diesen Test nicht besteht, war zu erwarten, dass auch der IE 7 ihn verbockt, hat viele Anwender und Webentwickler enttäuscht.

Doch zum Jahreswechsel kommt eine gute Nachricht aus Redmond: Der Internet Explorer 8 wird den Test fehlerfrei absolvieren. Das zumindest behauptet einer der Entwickler in seinem Blog und belegt diese Behauptung mit einem Screenshot:


Da lacht der Browser: Der IE 8 besteht den Acid-2-Test

Ob die endgültige Version des IE 8 immer noch etwas zu lachen hat, werden wir irgendwann im ersten Halbjahr 2008 erfahren. Denn dann soll die erste Beta der neuen Version des Internet Explorers erscheinen.