“Bis zu” und andere Fährnisse des Drucker-Alltags

Freitag, 14. März 2008, 14.48 Uhr | Giesbert Damaschke

Heute kam die erste Korrekturfahne meines neuen Buches Mac OS X 10.5. Das Buch für Ein- und Umsteiger soll ca. Mitte April erscheinen, ich muss mich also mit den Korrekturen ein wenig sputen.

Früher bestand eine “Fahne” aus einem Stapel Papier, aber in digitalen Zeiten wird dergleichen natürlich als PDF-Datei geschickt. Wenn man partout darauf besteht, verschickt einem der Verlag auch einen Ausdruck, aber das verzögert den Korrekturdurchgang um zwei, drei Tage. Rutscht ein Wochenende oder ein Feiertag dazwischen, summiert sich das auch schon mal auf eine Woche auf und bremst die Fertigstellung des Buches unterm Strich merklich aus.

Da ist es einfacher und pragmatischer, die rund 256 Seiten umfassende PDF-Datei auf dem eigenen Drucker auszudrucken, um sich sofort an die Arbeit machen zu können. Denn digitale Zeiten hin oder her – Korrekturen macht man besten immer noch ganz analog auf Papier und nicht am Bildschirm.

Der Ausdruck selbst, dachte ich, ist ein Klacks. Schließlich habe ich einen Laserdrucker, der laut Hersteller bis zu 14 Seiten pro Minute drucken können soll, die 256 Seiten sollten also in einer halben Stunde auf Papier vorliegen. Es wurden gute drei Stunden.

Denn natürlich bin ich auf den ältesten aller Verkäufertricks hereingefallen: “bis zu”. Das bedeutet: die Angabe stimmt, gilt aber nur für bestimmte, sehr praxisfremde Bedingungen und ist letztlich irrelevant.

Die Druckgeschwindigkeit wird anhand einer Standard-Testseite bestimmt. Dabei handelt es sich um den so genannte “Dr. Grauert”-Brief, der der Geschäftskorrespondenz der Fünfziger Jahre nachempfunden zu sein scheint: lockere Seitenfüllung, als einzige Schrift Courier, keine Textauszeichnungen. Diese Testseite kann mein Drucker 14 mal pro Minute ausgeben. Nämlich genau dann, wenn die Seite im Speicher vorliegt und das Gerät im Kopiermodus arbeitet.

Dumm nur, dass kaum noch eine Druckseite diesen Standardbedingungen entspricht. Die heutige Geschäftskorrespondenz arbeitet mit anderen Schriften, die Seitenfülle ist erheblich höher, es werden Textauszeichnungen und natürlich auch Grafiken benutzt. Das ist bei der Buchfahne nicht anders und so wurden aus den “14 Seiten pro Minute” ungefähr fünf bis sechs und aus der anvisierten halben eine ganze Stunde.

Das heißt – das wäre es geworden, hätte der Drucker nicht nach rund 200 Seiten die Arbeit eingestellt. Einzige Rückmeldung: ein blinkendes “Alarm”-Lämpchen. Was wollte mir mein Drucker damit sagen? Zuerst tippte ich auf einen Papierstau oder ähnliches, nach einigem Herumprobieren, Ein- und Ausschalten und Testausdrucken erinnerte mich mein Bürokollege daran, dass das Gerät doch bestimmt eine Selbsttestfunktion habe. Hatte es. Und auf der dabei ausgegebenen Status-Seite konnte man dann lesen, was dem Gerät fehlte: Der Toner war leer. Angeblich. Denn die vereinzelten Seiten, die man ihm noch entlocken konnten zeigten keinerlei verblassende Schrift oder nachlassende Druckleistung.

Doch über die dubiosen Methoden, den Kunden zum Kauf einer neuen Toner-Trommel-Einheiten zu überreden, konnte ich mich später ärgern, jetzt ging es darum, die restlichen 50 Seiten auszudrucken. Auch hier kam mir mein Bürokollege zur Hilfe: er gab seinen Drucker zur gemeinsamen Nutzung im WLAN frei – was auf dem Mac genau 1 Mausklick ist –, ich wählte den Drucker auf meinem Mac aus und schickte die noch fehlenden Seiten via WLAN an den Drucker im Nebenzimmer. Danke, Sam.

Und jetzt muss ich mich endlich an die Korrekturen machen.