Babelfisch & Co.
Der britische Autor Douglas Adams hat in seinen “Per Anhalter durchs All”-Romanen einige lustige und skurrile Ideen gehabt. Eine davon ist der “Babelfisch”.
Dieses kleine, gallertartige Lebewesen ernährt sich von Gehirnströmen und ist die ironische Entsprechung zum “Universaltranslator”, der im Star-Trek-Universum dafür sorgt, dass sich alle Beteiligten problemlos verstehen. Das, was bei Star Trek durch allerlei Technik erreicht wird, gehört beim Babelfisch im Ohr seinen Trägers gewissermaßen zum Verdauungsprozess. Er zwackt zwar ein wenig Strom vom Gehirn ab, gibt dafür aber komplizierte Muster an das Gehirn zurück, die dafür sorgen, dass Babelfisch-Träger alle Sprachen im Universum verstehen kann.
So wünschenswert ein solcher Universalübersetzer oder Babelfisch auch wäre, so phantastisch sind diese beiden Einfälle, dass an eine Realisierung wohl kaum zu denken ist.
Oder vielleicht doch nicht? So meldete der ARD Videotext vor wenigen Wochen, dass “nach Ansicht von Computerwissenschaftlern … innerhalb der nächsten 10 Jahre breiten Bevölkerungsschichten möglich sein” soll, “fremde Sprachen zu verstehen, ohne sie gelernt zu haben”. Hintergrund dieser kühnen Behauptung ist die Entwicklung eines automatischen Simultanübersetzers, der in der Lage sein soll, “in jeder Situation gesprochene Sprache” zeitgleich in andere Sprachen zu übersetzen.
Nun, in zehn Jahren kann viel passieren, aber dass die automatische Erkennung von Sprache so große Fortschritte macht, dass gesprochene Sprache in jeder Situation auch nur korrekt erkannt wird (schweigen wir ganz vom Übersetzen), halte ich für eine mehr als gewagte Behauptung.
Nun, das kann man ja in aller Ruhe abwarten. Hier und heute müssen wir mit den Mitteln auskommen, die auf dem Markt sind. Und die heißen zwar Universaltranslator oder Babelfisch, aber ihre Ergebnisse sind doch eher, nun, sagen wir mal: überraschend.
Wer sich einmal ansehen möchte, wofür automatische Übersetzungen eingesetzt werden können, der muss sich nur ein wenig in den deutschsprachigen Seiten der Microsoft Knowledge Base umsehen. Dort findet man zahlreiche Beiträge, die über ein grünes Etikett als “maschinelle Übersetzung” aus dem Englischen ausgewiesen sind. Dabei verfolgt man ganz pragmatische Ziele:
“Maschinell übersetzte Artikel haben zwar eine geringere Qualität als die von Menschen manuell übersetzen Artikel; mit Hilfe der maschinellen Übersetzung können wir Ihnen jedoch sehr viel mehr Inhalte in Ihrer Muttersprache zur Verfügung stellen, als ohne.”
Das ist zweifellos richtig, aber man stolpert auf den Support-Seiten immer wieder über Artikel mit mehr als nur kuriosen Überschriften:
- “Outlook Express beendet möglicherweise zu funktionieren, wenn Outlook Express eine ‘vollständig Postfach’ Nachricht empfängt”.
- “Welche Verfahrensweise in Importordnern von einem .PST File”
- “Aufhebendes die Verknüpfung Eingebettetes Objekt erstellt Word-Bilderobjekt”
Bei diesen Überschriften kann man bestenfalls vermuten, um was es in den entsprechenden Artikeln der Knowledge Base geht. Der deutsche Text ist hier sogar noch unverständlicher als das englische Original, bei dem man immerhin weiß, dass man ein Wörterbuch braucht.
Wenn es noch nicht einmal gelingt, technische Dokumentationen, die keine ungewöhnlichen grammatischen Ansprüche stellen, automatisch zu übersetzen, dann wird es einen Babelfisch oder Universalübersetzer wohl bis auf Weiteres nur in der Vorstellung von Romanautoren und TV-Serien geben.
Und natürlich in denen von Wissenschaftlern, die um der lieben Forschungsgelder willen vielleicht eine Spur zu optimistisch sind.
