Automatische Massensendungen
Spam, also die unerwünschte Werbewurfsendung für dubiose Produkte und Dienstleistungen, gehört zum Grundübel der elektronischen Kommunikation. Dabei zeichnet sich Spam durch zwei Merkmale aus: Hohe Automatisierung und extrem hohe Stückzahlen.
Das Medium, das unter der Spamlast besonders zu leiden hat, ist die elektronische Post. Hier ist das Spamaufkommen mitunter derart hoch, dass man gar nicht einmal sonderlich pessimistisch zu sein braucht, um das Ende der elektronischen Post heraufdämmern zu sehen. Wenn sich im Posteingang nur noch Spams finden, ist das Medium für die sinnvolle Kommunikation unbrauchbar geworden.
Beim Fax ist es oft jetzt schon so weit, dass man das Gerät möglichst ausgeschaltet lässt, um den ansonsten unfehlbar eintreffenden Spamwellen zu entgehen. Dumm nur, dass ein Faxgerät erst dann wirklich sinnvoll ist, wenn man es rund um die Uhr erreichen kann. Wer sein Faxgerät also überwiegend ausschaltet, der kann es eigentlich auch gleich ganz abschaffen.
Auch das Telefon wird natürlich als Spam-Kanal missbraucht. Dabei meine ich nicht das gewissermaßen klassische Telefonmarketing, sondern die hochautomatisierten Anrufe, bei denen ein Telefoncomputer sturheil eine Nummer nach der anderen anruft und bei jeder Hörerabnahme eine vorher aufgezeichnete Werbesendung abspielt. Hier wirkt das Medium selbst allerdings als Spam-Bremse. Jeder Telefon-Spam braucht schließlich ein paar Sekunden, um abgespielt zu werden – in der Zeit sind per Mail bereits Tausende von Spams unterwegs.
Nun sind E-Mail, Fax und Telefon noch sehr naheliegende Wege, über die man Werbung verbreiten kann. Doch die Spam-Industrie erweist sich als erstaunlich einfallsreich, wenn es darum geht, ihre unerwünschten Botschaften unters Volk zu bringen. Dabei werden Kanäle entdeckt, die einem selbst überhaupt nicht in den Sinn gekommen wären.
Vor rund einem Jahr habe ich an dieser Stelle bereits auf drei der neueren Spam-Wege hingewiesen:
- Kommentar- oder Gästebuch-Spam: Die Werbung wird als Kommentar in einem Blog oder Gästebuch hinterlegt.
- Referer-Spam: Es werden Logeinträge vom Webservern mit Spam-Links überschwemmt.
- Komplett gefälschte Sites: Es werden wahllos Inhalte von anderen Webseiten kopiert und zu scheinbar echten, eigenständigen Sites zusammengeklebt. Ziel ist es, hier Anzeigen zu platzieren, für die man sich entweder über ein Affiliate-Programm bezahlen lässt oder mit denen man versucht, die Surfer auf andere Sites umzulenken.
In letzter Zeit stoße ich allerdings immer häufiger auf eine vierte etwas ungewöhnliche Spam-Methode: gefälschte Mitgliederanmeldungen in Webforen.
Hier werden zufällig zusammengewürfelte Namen mit erfundenen E-Mail-Adressen eingetragen, wobei als Homepage des angeblichen Mitglieds eine einschlägige Webadresse eingetragen wird. Die Spammer kalkulieren hier mit der Neugier der anderen Teilnehmer des Forums, die sich verlocken lassen, den Link anzuklicken. Eigentlich, so sollte man meinen, ist ein derartiger Spam über Bande viel zu kompliziert, als dass er sich für die Betreiber lohnen könnte. Doch seine Existenz beweist das Gegenteil: offensichtlich finden sich genügend Dumme, die den Mausfinger nicht still halten können, wenn ihnen eine URL schlüpfrige Inhalte verspricht.
