Augen zu und – entspannen
Ich weiß nicht mehr, seit wann ich eine Brille trage (es wird wohl so um das vierzehnte Lebensjahr gewesen sein), aber ich habe die Warnungen meiner Eltern noch gut im Ohr. Ich solle nicht so viel lesen, schon gar nicht bei Kunstlicht, das sei schlecht für die Augen.
Wenn ich einmal nicht gelesen habe und vor dem Fernseher saß, war das allerdings auch nicht besser. Guck nicht so viel Fernsehen, hieß es, das ist schlecht für die Augen. Als ich den Fernseher gegen einen Computermonitor eingetauscht habe, war ich Student und wohnte nicht mehr daheim. Ansonsten hätte ich, jede Wette, hören können, ich solle nicht so viel vor dem Computer sitzen, denn das sei – na, Sie wissen schon.
Doch dafür gibt es jetzt Peter Frankenstein vom “Deutschen Industrieverband für optische, medizinische und mechatronische Technologien”. Der nämlich prognostiziert in einem dpa-Gespräch, dass die Zahl der Brillenträger weiterhin ansteigen werde. Allerdings gibt er nur indirekt den Computerbildschirmen die Schuld.
Denn ob die Arbeit am Monitor Sehschäden hervorrufen könne, ist noch umstritten. Sicher aber scheint zu sein, dass viele Menschen erst durch die Anforderungen am Monitor bemerken, dass sie eigentlich eine Brille brauchen. Der Computer ist hier also nur der Katalysator für den Brillenkauf, nicht der Grund für eine Brille.
Doch ganz gleich, ob es nun wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass langes, konzentriertes Arbeiten am Bildschirm die Augen schädigt oder nicht, eines steht nach meiner nun rund 20-jährigen Erfahrung mit Monitoren fest: Bildschirmarbeit ist anstrengend – und sie wird mit Sicherheit nicht dadurch erleichtert, dass wir unseren Alltag vom Handy übers Navi bis zum PDA mit immer mehr Bildschirmen zustellen.
Schmerzende und durch Flimmern oder Schlieren getrübte Augen sind ein deutliches und unmissverständliches Warnsignal, dass die Augen überfordert werden. Müdigkeit, Kopf- und Nackenschmerzen können durch Überanstrengung der Augen ausgelöst werden.
Um möglichen Schäden vorzubeugen und um die Augen zu entlasten, ist es empfehlenswert, in regelmäßigen Abständen kleine Entspannungsübungen für die Augen zu machen.
Das Hauptproblem bei der Bildschirmarbeit besteht darin, dass man lange Zeit konzentriert auf eine helle Fläche in relativer Nähe blickt. Die Augen trocknen durch die ungewohnte Daueranstrengung aus, die ständige Fokussierung auf ein Objekt in ständig gleicher Nähe engt das Blickfeld ein und belastet die Augenmuskulatur.
Die Gegenmaßnahmen sind glücklicherweise sehr einfach. Heben Sie ab und an die Augen, lassen Sie den Blick schweifen, betrachten Sie Gegenstände, die ein paar Meter weit entfernt sind, achten Sie dabei auf die Ränder Ihres Gesichtsfeldes.
Beruhigen Sie Ihre Augen mit einer Übung, die sich “Palmieren” nennt und in der Wikipedia so beschrieben wird:
Der Begriff bezeichnet eine Übung, bei der die Handflächen etwas gewölbt, leicht, ohne Druck auf die Augen gelegt werden, die Finger liegen dann über Kreuz auf der Stirn, die Nase bleibt frei, die Augen sind geschlossen. Die Ellenbogen können auf die Knie gestützt werden. Es darf kein Licht auf die Augen fallen. Und der Ausübende sollte sich nun nur auf die schwarze Fläche, die er sieht, konzentrieren, dabei eine vollkommen entspannte Haltung sowohl der Augen als auch im Geiste einnehmen, die 10, 20 oder 30 Minuten dauern sollte.
Über die angegebene Dauer lässt sich allerdings streiten, ich habe gute Erfahrungen mit sehr viel kürzeren “Palmierungszeiten” (wie zwei bis fünf Minuten) gemacht.
Dem Austrocknen der Augen können Sie durch häufiges Blinzeln begegnen.
Bei anhaltenden Schmerzen oder gereizten Augen sollten Sie natürlich sofort einen Augenarzt aufsuchen.
