Am Kabel
Wenn man plötzlich und ohne, dass man sich hätte vorbereiten können, aus seiner gewohnten Umgebung gerissen und an einen anderen Ort gebracht wird, dann lernt man den Wert der elektronischen Helfer kennen, die man den lieben langen Tag mit sich herumschleppt.
Als ich Anfang letzter Woche kurzerhand für ein paar Tage ins Krankenhaus gesteckt wurde, da war ich doch sehr froh, dass ich Handy, PDA, Digicam und MP3-Player im Rucksack dabei hatte. Mit dem Handy konnte ich meine Bekannten informieren, mit dem PDA überprüfen, welche Termine und Aufgaben am besten verschoben werden konnten, mit der Kamera habe ich, so ein Krankenhaustag kann lang und langweilig werden, eben diesen Alltag für mich dokumentiert und der MP3-Player versorgte mich mit Musik und Hörspielen, die sich in großer Zahl auf seiner 40-GB-Festplatte finden.
Alles halb so wild, dachte ich. Bis mir der Saft ausging. Zuerst ging das Handy in die Knie, kurz darauf die Kamera. Der MP3-Player hielt immerhin tapfer bis zum nächsten Morgen durch, während es beim PDA genügte, zur Unterhaltung ein Spielchen aufzurufen, um die Akkus restlos leer zu saugen.
Dergleichen passiert mir im Alltag natürlich auch – aber da weiß ich, was zu tun ist: ich klemme die Geräte einfach an ihre Ladegeräte und warte ein paar Stunden ab. Dann halten sie alle wieder einige Tage durch (dass sie im Krankenhaus so schnell ihren Geist aufgaben, war einfach nur ein Beispiel für schlechtes Timing).
Doch in ungewohnter Umgebung sieht die Sache natürlich anders aus, hier liegen keine passenden Ladegeräte parat und man muss sich damit abfinden, dass die elektronischen Helfer vorläufig nur noch Hardwareballast sind. Nun könnte man natürlich darum bitten, dass einem die lieben Freunde nicht nur Wäsche, sondern auch die Ladegeräte mit ins Krankenhaus bringen. Das scheitert allerdings unter anderem daran, dass jedes Gerät ein eigenes Ladegerät benötigt und man selbst den liebsten Freunden wirklich nicht zumuten kann, nun unter Tische zu kriechen und bei zweifelhaftem Licht an Steckerleisten herauszufinden, welcher der vielen Stecker nun wohl zu welchem Ladegerät gehört.
Und so hat man auf einmal sehr viel Zeit, sich Gedanken zu machen. Zum Beispiel darüber, warum es der Industrie nicht zu gelingen scheint, sich auf einige wenige Anschluss-Standards zu einigen, so dass ein Krankenhaus etwa in der Lage wäre, Universalladestationen anzubieten, an denen sich Handy, PDA und MP3-Player aller Art aufladen lassen.
Technisch wäre das wohl kein Problem, sinnvoll wäre es auch – also warum gibt es dergleichen nicht? Ich fürchte, die Frage ist ein wenig naiv und sehr einfach zu beantworten: Weil die Hersteller überhaupt kein Interesse daran haben. Die auf dem Markt zu findenden Universalnetzteile funktionieren, wenn überhaupt, nur mit belangloser No-Name-Ware; die großen und namhaften Hersteller sorgen durch künstliche Inkompatibilitäten dafür, dass solche eigentlich praktischen Allround-Talente bei ihren Produkten nutzlos sind.
Dahinter steckt natürlich die eisern durchgezogene Maxime der Kundenbindung um jeden Preis und der Wunsch, mit den meist völlig überteuerten Ladegeräten Geld verdienen. Dieser Wille zum Umsatz auf Kosten der Kundenfreundlichkeit ist zum Beispiel im Handymarkt immer wieder zu beobachten, wo selbst die Geräte ein- und desselben Hersteller untereinander inkompatibel sind. Wer ein Ladegräte für das Handy X eines Herstellers hat und auf das Handy Y des gleichen Herstellers wechselt, der kann mit dem alten Ladegerät nur zu oft überhaupt nichts mehr anfangen.
An dieser Stelle habe ich aufgehört, über das Thema nachzudenken. Denn neben dem ganzen elektronischen Krams gehört auch ein Buch zu meinen ständigen Begleitern. Und ein Buch, so fiel es mir wieder einmal nach ein paar Seiten ein, ein Buch braucht nicht mehr, als sich selbst, etwas Licht und einen Leser.
