Am falschen Ende sparen
Die IT-Kosten in Unternehmen sind ein beträchtlicher Budget-Posten. Kein Wunder, dass die Controller aller Unternehmen hier einen besonders scharfen Blick haben und immer wieder den Rotstift ansetzen, um die IT-Kosten zu senken.
Doch halt – sagte ich “aller Unternehmen”? Das ist natürlich falsch – denn die Sparwut der Verantwortlichen tobt sich nur hierzulande besonders im IT-Bereich aus.
Das zumindest ist, laut einem Bericht der Computerwoche, eines der Ergebnisse einer Studie von IDC und Accenture. Die Marktforscher befragten unter anderem 117 IT-Verantwortliche in Deutschland, von denen satte 60 Prozent in Sachen IT-Strukturen vor allem ein Ziel haben: Kosten senken. Erst danach kamen (mit 51 Prozent) Dinge wie Standardisierung und Konsolidierung der vorhandenen Strukturen und ein Nachdenken über deren Modernisierung (für das sich lediglich 40 Prozent erwärmen konnten).
Im Vergleich zu anderen Ländern stehen die deutschen IT-Verantwortlichen mit diesen Prioritäten recht allein da. Nirgendwo sonst herrscht eine derart ausgeprägte Sparwut in Sachen IT-Strukturen. In anderen Ländern will man nicht einfach nur simpel an der Kostenschraube drehen, sondern den Wert der IT im Unternehmen verbessern (was durchaus auch bedeuten kann, Geld zu investieren). Konsequenterweise steht man anderswo auch der Modernisierung vorhandener Strukturen nicht so distanziert gegenüber wie hierzulande.
Während hier also Schmalhans IT-Meister ist, wollen weltweit, so Accenture, 40 Prozent der Unternehmen ihre IT-Ausgaben erhöhen, wobei es bei den notorisch technikverliebten Franzosen sogar 70 Prozent sind, die mehr Geld in den Ausbau ihrer IT-Strukturen stecken wollen.
Nun ist es sicherlich richtig, dass man versucht, die vorhandenen Möglichkeiten optimal zu nutzen und die laufenden Betriebskosten gering zu halten oder gar zu senken. Doch andererseits ist es gerade im IT-Bereich von großer Bedeutung, die rasante Entwicklung im Blick zu behalten, um zu erkennen, wo es sich mittel- oder gar langfristig lohnt, mehr Geld zu investieren, um den Nutzen der IT für alle Bereiche des Unternehmens zu steigern.
Als Beispiel bringen die Autoren der Studie die immer stärker ins Blickfeld rückende Virtualisierung. In diesem Markt herrscht derzeit eine starke Bewegung wie sonst kaum.
Neue Firmen steigen ein, Intel integriert Virtualisierungstechniken in seine CPUs, VMWare und Microsoft verschenken neuerdings ihre entsprechende Software, Web-Hoster setzen virtuelle Server ein, um immer günstigere Lösungen anzubieten – das sind nur einige der Beispiele und Indizien für die rasant wachsende Bedeutung der Virtualisierungstechnik.
Doch während weltweit immer mehr Unternehmen in diesen wachsenden Bereich investieren, ist man hierzulande noch sehr zurückhaltend. Hier sieht Accenture noch großen Aufklärungsbedarf – schließlich sei es doch ein wenig paradox, dass ausgerechnet die Technik, die hohe Rationalisierungsvorteile und Ersparnisse ermöglichen kann, besonders stiefmütterlich behandelt wird.
Insgesamt sehen die Autoren bei deutschen Unternehmen die Gefahr, dass massiv am falschen Ende gespart wird. Dann werden zwar die bestehenden Strukturen bewahrt, aber Verbesserungen finden nur marginal im Randbereich statt – bis die Strukturen überaltert sind und von den steigenden Aufgaben hoffnungslos überfordert werden.
Angesichts der alles andere als trivialen Analyse von IT-Strukturen in Unternehmen, bin ich doch recht zufrieden mit der überschaubaren IT meiner kleinen Textmanufaktur. Allerdings nehme auch ich mir die Studie zu Herzen: In den nächsten Monat werde ich wohl endgültig vom Windows-PC auf einen leistungsfähigen Macintosh-Computer wechseln. Natürlich ohne dass ich auf Windows verzichten müsste – das läuft dann einfach in einem Fenster. Virtualisierung macht’s möglich.
