Aldi und die McDonalds-Methode
Wenn man auf einem dicht gefüllten Marktplatz etwas verkaufen will, dann muss man sich ordentlich ins Zeug legen. Ohne spezielle Verkaufsaktionen und viel Werbung geht da normalerweise überhaupt nichts. Nun ist es allerdings nicht so, dass einem dergleichen einfach so in den Schoß fiele, man muss da schon ein wenig nachhelfen.
Die McDonalds-Methode
Eine bewährte Methode ist zum Beispiel die künstliche Verknappung eines Artikels, wie ihn McDonalds immer wieder im großen Maßstab vormacht.
Dort wird ein bestimmter Burger immer nur für einen bestimmten Zeitraum angeboten, danach verschwindet er wieder aus dem Programm.
Während dieser Verkaufsphase startet McDonalds groß angelegte Werbekampagnen, in denen die Verfügbarkeit des Burgers angekündigt und gefeiert wird. Als unbeteiligter Zuschauer könnte man fast auf die Idee kommen, in diesem Burger würden ganz besonders seltene Zutaten benutzt, die es nur zu bestimmten Jahreszeiten gibt.
Doch das ist natürlich nicht der Fall, McDonalds könnte diesen Burger zu jedem beliebigen Zeitpunkt herstellen und verkaufen. Dann aber wäre dieser Burger nichts besonderes mehr. Er würde im übrigen Standard-Angebot untergehen – und keine neuen Kunden in die Filialen locken.
Also hält McDonalds die Vorräte weiterhin künstlich knapp, bringt den Burger nur zu bestimmten Zeiten in die Filialen und macht so aus einem banalen Allerweltsartikel eine Besonderheit (zumindest für die McDonalds-Kunden).
Aldi und der Mobilfunkmarkt
An diese Methode musste ich denken, als ich heute verblüfft die Meldung las, dass Aldi den Verkauf von SIM-Karten gestoppt habe.
Gerade mal zwei Wochen ist es her, dass Aldi mit erheblichen Begleitgeräuschen in den Mobilfunkmarkt einstieg – und jetzt soll schon wieder Schluss sein? Kaum zu glauben. Also der Reihe nach.
Am 4. Dezember verschickte die Medion AG eine Pressemitteilung, in der in Kooperation mit Aldi und E-Plus ein “Neuer Mobilfunk-Discount-Tarif” angekündigt wurde. In “mehr als 4.000 Filialen des Discounters” Aldi könnten die Kunden SIM-Karten für den neuen Prepaid-Tarif “Aldi Talk” erwerben und über das E-Plus-Netz telefonieren.
Außerdem wurden Manager von Medion und E-Plus zitiert, die von einem “besonders günstige Produkte mit hohem Marktpotenzial” sprachen, von “dauerhaft kostengünstigen Prepaid-Tarifen” und davon, dass die Marken Aldi und Medion “in der Bevölkerung hohes Vertrauen genießen und für ein exzellentes Preis-/Leistungsverhältnis bekannt sind.”
Eine Woche nach dem Start meldete man 60.000 Kunden und alles ließ sich gut an – und jetzt: Aus und vorbei?
Nicht ganz. Aldi verkauft zwar keine SIM-Karten mehr (neue Kunden wird der Aldi-Talk-Tarif also nicht bekommen), aber für die bestehende Kundschaft werden weiterhin Guthabenkarten in den Aldi-Filialen verkauft. Immerhin soll Aldi-Talk rund 300.000 Kunden bekommen haben.
Der Verkaufsstopp kommt einigermaßen überraschend. Doch das täuscht – behauptet zumindest E-Plus.
Zwar hat keiner der Beteiligten je davon gesprochen, dass die Aktion befristet sein soll, aber genau das, versichert ein E-Plus-Sprecher, sei der Fall gewesen: “Das Angebot war von Anfang an auf zwei Wochen begrenzt und daher kommt der Schritt planmäßig”.
So, wie Aldi schließlich auch Notebooks und PCs nur gelegentlich und nicht immer im Angebot habe, so sei auch der Mobilfunk-Tarif ein besonderes Angebot und an eine Neuauflage sei nicht gedacht.
Aldi und die McDonalds-Methode
Doch das kann der E-Plus-Sprecher erzählen, wem er mag – ich glaube es ihm trotzdem nicht so ganz.
Eher will es mir so vorkommen, als wollten alle Beteiligten auf dem Mobilfunkmarkt noch einmal richtig Krach machen, um im dichter werdenden Gewühl aufzufallen.
Würde der “Aldi-Talk”-Tarif weiterhin regulär verfügbar sein, wäre es ein Billig-Tarif wie andere auch. Er würde einfach in der Masse verschwinden und nicht weiter auffallen.
Dadurch aber, dass der Verkauf der SIM-Karten ohne Vorankündigung gestoppt wird, erreicht man mindesten drei Dinge:
- Die Verkaufsstopp-Meldung verschafft dem Tarif noch einmal ein erhebliches Presse-Echo (das der Tarif selbst gar nicht mehr bekommen würde).
- Sobald Aldi erneut SIM-Karten anbietet (und das werden sie natürlich), wird es erneut einen entsprechenden Presserummel geben.
- Und schließlich werden die Kunden konditioniert. “Obacht!”, wird signalisiert, “beim nächsten Mal müsst ihr sofort zugreifen, sonst ist’s zu spät!”
Doch keine Sorge: So sicher, wie Aldi jedes Jahr PCs und Notebooks im Programm hat, so sicher wird es nun in regelmäßigen Abständen SIM-Karten geben.
