Akku-Voodoo

Dienstag, 22. Januar 2008, 6.43 Uhr | Giesbert Damaschke

In der Berichterstattung über das neue Apple MacBook Air oder das nicht mehr ganz so neue iPhone wird immer wieder auf den fest verlöteten Akku hingewiesen. Sollte dieser Akku ausfallen und ausgetauscht werden müssen, ist ein Besuch beim Fachhändler fällig. Das kostet nicht nur, das dauert auch. So berechnet Apple für den Akkutausch im MacBook Air rund 140 Euro und gibt als Arbeitszeit durchschnittlich fünf Werktage (!) an. Das klingt natürlich auf Anhieb nach einem erheblichen Nachteil und viele Kritiker stürzen sich denn auch mit wahrer Hingabe auf diese Design-Entscheidung.

Dabei wird Apple nicht nur schnöde Abzocke-Mentalität unterstellt, sondern gleichzeitig mit großer Überzeugung ein fest eingebauter Akku als wahre Todsünde wider den heiligen Geist der Consumer-Elektronik ausgegeben. Fast immer werden diese Artikel mit den verschiedensten Ratschlägen garniert, wie man mit einem Akku umgehen sollte. Da finden sich dann zahlreiche Tipps wie etwa den, einen Akku bei Nichtbedarf auszubauen und im Kühlschrank zu lagern.

Dergleichen klingt zwar häufig so, als wüsste der jeweilige Autor, ganz genau, wovon er da spricht, fragt man aber etwas nach und schaut etwas genauer hin, stößt man nicht selten auf ein Fundament aus Hörensagen, Vorurteilen und Hightech-Voodoo.

Das ist auch nicht weiter verwunderlich, ist doch gerade das Thema Akku nicht nur einigermaßen kompliziert, sondern für einen Laien – und dazu gehören auch Journalisten, die über Neuigkeiten von IT-Messen berichten – fast nicht zu durchschauen. Bei anderen Komponenten eines Computers kann man sich oft auf seine eigene Erfahrung und eigenhändige Tests berufen. Bei Akkus ist das nur sehr bedingt bis überhaupt nicht möglich.

Wer etwa eine Aussage darüber treffen möchte, ob die Lagerung im Kühlschrank der Lebensdauer eines Akkus tatsächlich zuträglich ist oder nicht, der müsste jahrelange Vergleichstest durchführen.

Auf unsere Alltagserfahrung mit Akkus können wir uns bei diesem Thema auch nicht wirklich verlassen, schließlich gibt es die unterschiedlichsten Akku-Typen und Speicherverfahren. Was für die Batterie in der Fernbedienung gelten mag, muss noch lange nicht für die Batterie im Notebook gelten. Und selbst beim Vergleich gleicher Typen und Verfahren scheint es auch auf die elektronische Umgebung anzukommen, wie lange ein Akku hält.

Meine Erfahrungen mit fest eingebauten Akkus sind bislang durchweg gut. Ich habe bzw. hatte drei entsprechende Geräte im Einsatz: Den PDA Palm V, den Tungsten E2 (ebenfalls von Palm) und einen iPod mit 80-GB-Festplatte.

Natürlich hält ein Akku nicht ewig, aber das tut das Gerät, das er mit Strom versorgt, auch nicht. Der iPod ist jetzt rund ein Jahr alt und läuft und läuft und läuft … eine Abnahme oder Minderleistung des Akkus kann ich nicht feststellen. Das gilt auch für den Tungsten E2, den ich jetzt seit rund zweieinhalb Jahre einsetze, ohne dass ich Probleme mit dem Akku bekommen hätte. Auch der Palm V leistete mir rund drei Jahre gute Dienste, dann habe ich ihn verschenkt. Er soll, wurde mir erzählt, noch ein weiteres Jahr gehalten haben, bevor er mehr oder weniger schlagartig den Geist aufgab. Man hätte ihn, vermutlich, durch einen Akkuaustausch wieder zum Leben erwecken können – aber wer will schon einen vier Jahre alten PDA?

Wenn ein Akku länger hält, als man das Gerät benutzt, in dem er eingebaut ist, spielt es letztlich überhaupt keine Rolle, wie kompliziert sein Austausch ist oder gewesen wäre. Zumal ein fest eingebauter Akku auch einige Vorteile bietet: die Geräte können kompakter, leichter und eleganter konstruiert werden. Wem es wichtig ist, ein besonders flaches und leichtes Notebook oder einen besonders handlichen PDA zu besitzen, für den wird die Frage, ob er den Akku im Falle eines Falles selbst austauschen kann, vermutlich nicht allzu relevant sein. Wer großen Wert darauf legt, der kauft sich halt ein anderes Gerät.

Nur mit einem sollte man endlich einmal aufhören: dem Akku-Voodoo und den Gerüchte aus dritter Hand. Statt dessen erkundige man sich einfach bei den Akku- bzw. Notebook-Herstellern und halte sich an die Hinweise, die man in der jeweiligen Dokumentation findet.