Adobes Bildbearbeitung im Web und das Recht an Ihren Fotos

Dienstag, 1. April 2008, 6.35 Uhr | Giesbert Damaschke

Ich habe zweieinhalb Meldungen für Sie: eine gute, eine schlechte und eine, von der man noch nicht weiß, ob sie gut oder schlecht ist, die aber gute Ansätze zeigt. Der Reihe nach.

Die gute Meldung: Adobe hat seine Ankündigung wahr gemacht und nach der Textverarbeitung Buzzword nun auch eine webbasierte Bildbearbeitungs kostenlos zugänglich gemacht: Photoshop Express.

Natürlich darf man sich durch den Namen nicht irritieren lassen: Die Express-Bildbearbeitung im Browser bietet nur einen Bruchteil dessen, was das 1000-Euro-Programm Photoshop kann. Aber vielen Anwendern genügt das, was Photoshop Express beherrscht, völlig. Mögen die Bearbeitungsfunktionen auch jeden Profifotografen und Grafiker eher langweilen – für die rasche Bildanpassung und Online-Publikation auf Webseiten, in Blogs, Foren oder E-Mails ist Photoshop Express ideal. Obendrein spendiert Adobe jedem Anwender in der Beta-Testphase zwei GB Festplattenspeicher auf den Adobe-Servern als digitales Fotostudio.

Das war die gute Nachricht. Weniger gut, ja, regelrecht schlecht ist der Haken an der Sache, der auf den Namen “AGB” hört. Bevor man Photoshop Express nutzen kann, muss man sich natürlich registrieren, wobei man auch die Spielregeln akzeptieren muss. Und die haben es leider in sich. Denn hier behält sich Adobe praktisch sämtliche Nutzungsrechte an den Bildern vor. Jedes Bild, das ein Anwender auf den Server kopiert und jedes bearbeitete Foto kann von Adobe für jeden nur denkbaren Zweck benutzt werden – bis hin zur kommerziellen Nutzung und Lizenzierung an Dritte.

Das ist eine so schlechte Nachricht, dass sie die gute gleich mitreißt: ein Online-Angebot, an dessen Nutzung ein solcher Klotz hängt, wird untergehen.

Das weiß natürlich auch Adobe. Womit wir zur halben Meldung kommen. Nach den anhaltenden Protesten im Netz beeilt man sich bei Adobe nun, nachzubessern. Ein Missverständnis sei dies alles, sagt Adobe, und niemals käme man auf die Idee, sich derart dreist an den Bildern ihrer Kunden bereichern zu wollen.

Derzeit werden die Lizenzklauseln noch einmal überarbeitet und man weiß noch nicht, was dabei herauskommen wird. Aber ich bin mir sicher, dass es ein akzeptabler Kompromiss sein wird. Adobe ist ja nicht blöd.